Treffen am 24. Januar 2003

 
 
 


Aaron Nimzowitsch

Von Frank Jarchov

Rudolf Reinhardt aus Berlin stellte seine Forschungen zu Aaron Nimzowitsch vor. Der Name „Nimzo“ ist fast 70 Jahre nach seinem Tod immer noch ein Anziehungspunkt. Dreißig „Anhänger“ trafen sich im Künstlerclub „Die Möwe“.

Mit ziemlicher Sicherheit hat jeder Schachspieler in Deutschland, der Schach lernen will, seinen Namen gehört. Nach Meinung vieler Großmeister sollte auch heute noch ein ernsthaftes Schachstudium mit seinem Buch „Mein System“ beginnen. „Die Blockade“ und „Die Praxis meines Systems“ sind seine weiteren populären Werke als Schachbuchautor.
Mehr wissen wir Schachspieler meist nicht über Aaron Nimzowitsch. Eine Biographie über diesen großen kreativen Schachspieler gibt es nicht.

Rudolf Reinhardt führte uns in den Lebenslauf von Aaron Nimzowitsch ein und erläuterte das gesellschaftliche und politische Umfeld.

1886 als Sohn eines Kaufmannes in Riga geboren und vermutlich mit der Muttersprache Deutsch aufgewachsen, ging er mit 16 Jahren zum Studium in den Westen. Wien und Berlin waren seine Studienorte, aber über seine akademische Ausbildung ist nicht sehr viel bekannt. Die vermutlich erste veröffentlichte Schachpartie erschien 1896 in der Düna-Zeitung. A. Ascharin, der Leiter der Schachspalte schrieb einen kurzen treffenden Kommentar: „Wir brauchen also in Zukunft die Wunderkinder im Schachspiel nicht mehr in Amerika zu suchen.“

Durch diese erste vorgeführte Partie konnten sich die Zuhörer an einem ersten Eindruck vom Angriffsspiel und der Kunst des schönen Mattbildes des jungen Nimzowitsch erfreuen.

Zwei junge Schachspieler (10-12 Jahre) analysierten gleich ganz angeregt mit und entwickelten weitere Ideen.

Rudolf Reinhardt
Rudolf Reinhardt

Rudolf Reinhardt stellte den Menschen Nimzowitsch vor, indem er einen von ihm geschriebenen Artikel über den 60. Geburtstag Lasker's vorstellte. Nimzowitsch beurteilte Lasker nach den Prinzipien seines Lehrbuches „Mein System“. Der ehemalige Schachweltmeister hatte natürlich nicht immer nach den Regeln Nimzowitsch gespielt und so kam ein vergnüglicher Artikel zustande.

Nimzowitsch berücksichtigte bei seinen Partiekommentierungen in den Büchern nicht die Originalkommentare, sondern band die Partien in einen Lehrbuchtext ein. Er hat die Partien nachkommentiert und aus pädagogischen Aspekten oft einen längeren Vorspann geschrieben. Die „Nimzowitsche Kommentierungskunst“ wird wohl nie wieder erreicht werden.

Sein erster Schachhöhepunkt war das Turnier von San Sebastian 1912, wo er vor der Schlußrunde mit einem halben Punkt Vorsprung führte, die letzte Partie mit den weißen Steinen gegen Rubinstein verlor, daher Rubinstein Turniersieger wurde und er noch 1925 in „Mein System“ von „der schlimmsten Niederlage seiner Karriere“ schrieb.

Diese Verlustpartie stellte uns Rudolf Reinhardt mit drei Partiekommentaren !!! vor. Für uns kommentierten Hr. Schlechter von der „Deutschen Schachzeitung“, Hr. Lasker von der „Wiener Schachzeitung“ und Aaron Nimzowitsch selber. So wurde die Partie für die Fans doch noch ein echter Genuß, obwohl „Nimzo“ sie ja nicht genießen konnte!!!

So waren zwei Stunden schnell vergangen und eine Pause hatten alle verdient. Nachdem es schon recht spät geworden war, konnten wir uns alle zu einer Fortsetzung nicht mehr entschließen.

Hr. Reinhardt, uns fehlt leider der zweite Teil Ihres Vortrages!!! Wir würden uns alle über eine Fortsetzung freuen!!!

Anhang:

Kommentierte Partien von Aaron Nimzowitsch
Partien und Kommentare zusammengestellt von Rudolf Reinhardt.

„Laskers allumfassender Spielstil“
Ein Artikel von Aaron Nimzowitsch über Emanuel Lasker, erschienen in der Wiener Schachzeitung 1929.

 

aktualisiert: 2. März 2003