Schadows Schachclub

 
 
 


Schadows Schachclub

Ausstellung in der Kunstbibliothek

3. Oktober – 16. November 2003

Schadows Schachclub

Über das Schachspiel im Anfang des Jahrhunderts in Berlin, und überhaupt in ganz Deutschland, besitzen wir keine hinreichend genauen Nachrichten.
Tassilo Heydebrand von der Lasa, 1857.

Ein Gemälde - die Schachpartie von Johann Erdmann Hummel von 1819/20 -, der zufällige Hinweis auf die Tagebücher des berühmten Bildhauers Johann Gottfried Schadow, in die er, wie sich herausstellte, seit 1803 und bis zu seinem Tode 1850 regelmäßige Besuche im Schachclub eintrug, und die wieder aufgefundene Satzung, waren Auslöser für die Spurensuche nach einem „verschollenen Club”.

Schadows Aufzeichnungen gaben nicht nur Hinweise auf die Ziele dieses 1803 gegründeten ersten Berliner und deutschen Schachclubs und auf seine Mitglieder, sondern auch auf die Spielorte, die dem Schachspiel und dem geselligen Beisammensein gewidmet waren. Zusätzliche Informationen lieferte die im Laufe der Recherchen im Landesarchiv Berlin aufgefundene Originalsatzung des Vereins mit einer Mitgliederliste, die bis in die zwanziger Jahre reicht.

Was kann heute noch an einem vor zweihundert Jahren gegründeten Schachclub interessieren, der, wie von der Lasa schrieb, keine großen Spieler hervorgebracht hat, und der erst in seiner Spätzeit durch einige Korrespondenzpartien, die zudem von Nicht-Mitgliedern (Julius Mendheim, Rudolf v. Bilguer) entscheidend bestimmt wurden, ein gewisses Renommé erlangte?

Den bei Schadow und in der Mitgliederliste genannten Namen folgend, tat sich das soziale Spektrum einer Gesellschaft auf, die der Zeit der Berliner Spätaufklärung zuzurechnen ist. Für ihre Ziele - Gedankenfreiheit, vernunftgemäßes Handeln und Vorurteilslosigkeit - war das Schachspiel ein geeignetes Symbol. Bei ihm fanden sich Künstler, Gelehrte und Staatsbeamte, Geistliche, Ärzte und einige Besitzer von technischen Betrieben zusammen, deren Einstellungen vom Grundsatz der Toleranz bestimmt war. Das erweist sich besonders in der Position jüdischer Mitglieder, die - wie Lazarus Bendavid - schon zu den Gründerfiguren des Clubs gehörten. Dank ihrer geistigen Fähigkeiten können sie keine schlechten Spieler gewesen sein, jedenfalls war ihnen das Spiel ein wichtiger Teil ihres kulturellen und sozialen Lebens.

Die Ausstellung wird mit Porträts der Mitglieder, ihren Werken und Schriften, sowie einer (virtuellen) Rekonstruktion ihrer Schachbibliothek dieses gesellschaftliche Spektrum nachzeichnen. Gemalte und graphische Darstellungen von Schachspielern sowie eine größere Anzahl der damals gebräuchlichen oder als repräsentative Geschenke geschätzten Schachfiguren, darunter zwei Schachspiele der Königin Luise, werden eine Vorstellung von der Bedeutung des Schachs vor der Zeit der großen Turniere in der Mitte des 19. Jahrhunderts geben.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog der Kuratoren Prof. Dr. Hans Holländer und Barbara Holländer.

S M
B Kunstbibliothek


Kulturforum, Berlin-Tiergarten
Matthäikirchplatz

Öffnungszeiten:

Sonderausstellungen
Dienstag bis Freitag
10–18 Uhr

Fahrverbindungen
U-/S-Bhf Potsdamer Platz
Bus 129, 148, 200, 248, 341, 348

Internet
www.smpk.de/fw/b/index.html

Weitere Informationen:

Emanuel Lasker Gesellschaft

Am Festungsgraben 1

10117 Berlin

Tel: 030 / 22 48 88 58

www.lasker-gesellschaft.de

 

aktualisiert: 29. Juni 2003