Treffen am
  19. Februar 2005

 
 
 
 

Gastspiel des E.T.A.-Hoffmann-Theaters Bamberg mit
„Die letzte Partie oder Philidors Weisheit“ in Berlin

von Susanna Poldauf - Fotos von Andreas Saremba

Der Schlußapplaus im gut besuchten Berliner „Theater im Palais“ war lang anhaltend und herzlich. „Endlich mal ein echtes Schachstück“!, dachten wohl viele. So etwas ist auch in Berlin nicht alle Tage zu sehen. 70 Minuten lang verfolgte ein äußerst aufmerksames Publikum die Rekonstruktion des Selbstmordes eines leidenschaftlichen Schachspielers anhand seiner letzten Partie und hinterlassener literarischer Spuren. An den Reaktionen im Saal erkannte man schnell die fachkundigen Zuschauer, die keine Mühe hatten, der verwickelten Rahmenhandlung des Ein-Personen-Stückes um die Lebensgeschichten der Mitglieder zweier konkurrierender Unternehmerfamilien und simultan dazu dem Spielverlauf auf dem Brett zu folgen, der über einen Beamer auf eine Leinwand übertragen wurde. Einschlägige Schach-Zitate aus der Weltliteratur wurden schon mal mit einem Kopfnicken oder leisem Raunen quittiert. Ein großer Teil des in die Materie eingeweihten Publikums bestand aus Mitgliedern der Emanuel Lasker Gesellschaft, einem in Berlin ansässigen Verein der sich dem Andenken des einzigen deutschen Schachweltmeisters Emanuel Lasker (1868-1941) widmet und die Bamberger Inszenierung nach Berlin eingeladen hatte.

„Die letzte Partie“ eignete sich ideal für den Bühnenraum des Theaters im Palais, welches sich in Berlins historischer Mitte in direkter Nachbarschaft von Maxim-Gorki-Theater und Deutschem Historischen Museum befindet.

Nach der Aufführung hatte die Emanuel Lasker Gesellschaft zum Inszenierungsgespräch in den traditionsreichen Künstlerklub DIE MÖWE geladen, und ca. 40 Zuschauer waren dieser Einladung gefolgt. Nicht nur der Vorsitzende der Lasker Gesellschaft Paul Werner Wagner zeigte sich begeistert von der Idee des Stückes und schlug den Bogen zur Oper „Tom Jones“ des Schachspielers und Komponisten Philidor, die im Juni 2004 in Bamberg Premiere hatte. Der Intendant des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters und Regisseur der „Letzten Partie“ Rainer Lewandowski, der sichtlich zufrieden mit der durchweg positiven Resonanz des Berliner Publikums war, erläuterte den Zuhörern ausführlich die Entstehungsgeschichte des Stückes. Tihomir Glowatzky, dessen bemerkenswerte tatsächlich gespielte Fernschach-Partie gegen den Schweden Bussquist aus dem Jahre 1979 dem Stück zu Grunde liegt, übernahm die Beantwortung der schachlichen Fragen. Der Schauspieler Eckhart Neuberg, der mehrfach für seine Umsetzung des vielschichtigen Inhalts gelobt wurde, erläuterte seine Herangehensweise an die Rolle. Für ihn als Schach-Laien stellte die Dramaturgie des Stückes, die sich an einer Schachpartie orientiert, eine besondere Herausforderung da.

Auch eine Gruppe von Filmstudenten der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg war eigens zur Aufführung und zum anschließenden Gespräch gekommen, um sich für einen geplanten Schachfilm im Stil des film noir noch inspirieren zu lassen.

Die Emanuel Lasker Gesellschaft dankt der gesamten Bamberger Crew für einen hoch spannenden und anregenden Theaterabend.

Hoffen wir, daß die „Letzte Partie“ nach diesem Erfolg in Berlin noch weitere Einladungen für Gastspiele erhält. Wir werden diese Inszenierung auf jeden Fall weiterempfehlen!

 
Die letzte Partie oder Philidors Weisheit
v.l.n.r. Eckhart Neuberg, Paul Werner Wagner,
Tihomir Glowatzky und Rainer Lewandowski
 
Die letzte Partie oder Philidors Weisheit
v.l.n.r. Eckhart Neuberg, Paul Werner Wagner,
Tihomir Glowatzky und Rainer Lewandowski
 
Die letzte Partie oder Philidors Weisheit
unsere Zuschauer

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aktualisiert: 24. Februar 2005