Erfahrungsbericht zum Lasker Tag auf der Schacholympiade

 
 
 

Es sollte der Event in meiner Praktikumszeit sein. Keine Modenschau, Ausstellungseröffnung, oder Modemesse. Ich sollte in eine Welt eintauchen, mit der ich noch nie konfrontiert wurde. Mein Vorgesetzter, Paul Werner Wagner, und ich besuchten die 38. Schacholympiade in Dresden.

Olympiade

 Völlig unbefangen ging ich an die Sache ran, da ich nicht wusste, was mich erwartet. Sicher spiele ich gelegentlich Schach, aber sollte das reichen, um die Emanuel Lasker Gesellschaft souverän zu repräsentieren? Noch mehr beunruhigte mich kurz vor der Ankunft in Dresden der Gedanke an löchernde Fragen, wie „Wissen Sie, welche Mannschaft gerade spielt?“ oder „Haben Sie den Zug da drüben auf Tisch 3 gesehen?“. Doch welche Frage die Nervosität ins Unermessliche treiben sollte, war: „Lust, eine Partie zu spielen?“  Sicher, unter anderen Umständen würde ich mir das zu trauen, aber nicht auf einer Schacholympiade, umgeben von den weltbesten Spielern. Gleich zu Anfang sah ich den Ex-Weltmeister Kramnik, der erst vor einigen Wochen seinen Titel verlor. Allmählich wurde mir die Bedeutung dieses Ereignisses bewusst. Am Samstag, dem 15. November, gestaltete ich vormittags den Stand der Emanuel Lasker Gesellschaft, richtete die Bücher aus, hängte Plakate auf und bereitete mich auf die nächsten Stunden sorgfältig vor. Im Kreis des Deutschen Schachverbands fand auch neben uns der Künstler Bernd Besser seinen Platz. Wir stellten uns einander vor. Dies sollte nicht die einzige besondere Bekanntschaft an dem Tag sein. Die ersten Besucher fanden den Weg zu unserem Stand und schauten sich neugierig um.

Stand Totale

Einige kauften etwas, andere informierten sich nur und ein paar Leute fragten gezielt nach Vorstandsmitglieder wie Herrn Wagner. Schnell fand ich mich zurecht und konnte somit meine große Aufregung erfolgreich überspielen. Ein Fotograf hielt mich für eine Schachgroßmeisterin. Ich bemerkte, dass auch Schachspieler Humor besitzen. Am Nachmittag traf sich dann der Lasker-Vorstand, um die neue Biographie vorzustellen. Subskriptionen lagen aus und wurden auch zahlreich unterschrieben.

Stand

Mit der Zeit legte sich meine Anspannung und die Arbeit begann mir richtig Spaß zu machen. Ich lernte bedeutende, sympathische Personen aus der Welt des Schachs kennen, z.B. Lothar Schmid, und genoss einfach das internationale Flair. Am Abend war ein großes Essen innerhalb der Gesellschaft geplant. Wolfgang Uhlmann und Lothar Schmid wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt und ausgezeichnet. Das Bankett rundete den erfolgreichen Tag ab. Zufrieden fiel ich gegen Mitternacht ins Bett. Der Sonntag verlief ruhig und somit kam ich in den Genuss, mit Herrn Schmid über die Olympiade zu schlendern. Dadurch konnte ich auch einige Partien verfolgen. Der Tag neigte sich dem Ende zu und gegen Abend fuhren wir wieder nach Hause.

Dieses Wochenende war eines der Schönsten, das ich erlebt habe. Die Olympiade übertraf meine Vorstellungen. Ich verstand, dass man sich nicht einfach für Schach interessiert. Man tut das mit Leidenschaft. Und ich gebe ehrlich zu, diese Leidenschaft hat mich in ihren Bann gezogen.

von Anne-Kathrin Glück


 

aktualisiert: 05.Dezember 2008