Trauerrede für
  Ralph Schiffmann

 
 
 

 

Trauerfeier für Ralph Schiffmann

(6. Mai 1931 – 13. Mai 2009)

Donnerstag, 28. Mai 2009 - 11:00 Uhr
Städtischer Friedhof Lübars
Zabel-Krüger-Damm 176-186
13469 Berlin

Wir sind sehr traurig, dass unser Gründungsmitglied, großzügiger Förderer und lieber Freund Ralph Schiffmann am 13. Mai 2009 im Alter von 78 Jahren plötzlich verstorben ist.

Ralph SchiffmannRalph Schiffmann beim Besuch des jüdischen Friedhofs in Berlin am 5. Mai 2002


Liebe Frau Schiffmann,
liebe Geschwister, Angehörige, Freunde und Bekannte des Verstorbenen,
liebe Trauergemeinde!

Wer die Schönheit und Tiefe des Schachspiels einmal für sich entdeckt, kommt nie mehr richtig davon los.

So erging es auch Ralph Schiffmann. Schach begleitete ihn sein Leben lang. Schon sein Vater, der im Ersten Weltkrieg Schach in russischer Gefangenschaft erlernte, war ein begeisterter Schachspieler. Da lag es nicht fern, dass sich die Liebe zum Spiel auf den 64 Feldern auch auf die Kinder übertrug.

Ralph und sein Bruder Herbert spielten bald im Schachverein, zuerst in Hermsdorf und dann im Schachklub Wittenau. Vereinskamerad Klaus Darga, der spätere Internationaler Großmeister und Bundestrainer, wurde sein und seines Bruders Freund.

Ralph Schiffmann besaß gewiss nicht den Ehrgeiz, ein Meisterspieler zu werden.

Dafür aber verfügte er über eine Fähigkeit, die ihm aus tiefstem Herzen kam: sich um andere zu kümmern, für andere da zu sein.

Er musste nicht erst angesprochen werden, sondern spürte es selbst wenn Hilfe vonnöten war.

Ralph Schiffmann war neugierig auf Menschen und wissbegierig.

Wo immer auch in Berlin ein Schachereignis stattfand, traf man ihn.

Ob bei Turnieren, Bundesligakämpfen, Einzelmeisterschaften, Punktspielen, Simultanveranstaltungen, beim Betriebsschach oder Politikerturnier, er war anwesend, schaute interessiert zu, unterhielt sich mit Schachfreunden.

Er blieb so auf dem Laufenden im Berliner Schachleben und wurde zu einem wandelnden Schachlexikon. Er wusste, wer wann in welchem Verein spielte, in welchem Jahr Meister wurde und konnte genüsslich Annektoden und Geschichten erzählen, in seiner ureigenen Art.

Schach- und Turnierbücher, alte Schachzeitschriften, Schachgeschichte überhaupt und berühmte Persönlichkeiten des Schachs interessierten ihn. Im Laufe der Jahre jedoch wurde Leben und Werk des einzigen deutschen Weltmeisters Emanuel Lasker Ziel seines Forscherdranges.

Mit Hilfe seines Bruders Herbert, dem Antiquar, kaufte und sammelte er alles, was über Emanuel Lasker zu finden war. Er ging in die Berliner Archive und suchte nach den verloren gegangenen Spuren des Schachweltmeisters.

Ich lernte Ralph Schiffmann im Sommer 2000 kennen.

Die Bürgermeisterin von Thyrow, Frau Klatt, machte mich auf ihn, den Lasker-Experten, aufmerksam. Ich erhielt die Telefonnummer und melde mich bei ihm. Wir verabredeten ein erstes Treffen in meinem damaligen Büro in der Anklamer Strasse. Viele andere folgten.

Als ich ihm von meiner Absicht erzählte, eine Konferenz zum 60. Todestag von Emanuel Lasker zu organisieren, staunte er. Zunächst war er äußerst skeptisch, später aber bereit zu helfen und während der Konferenz Objekte aus seiner Sammlung auszustellen.

Die Konferenz im Januar 2001 wurde ein Erfolg und gleichzeitig zur Geburtstunde der Emanuel Lasker Gesellschaft.

Ralph Schiffmann war von Anfang an eines der aktivsten Mitstreiter und stets ein großzügiger Spender. Er war immer zur Hand, wenn er helfen konnte.

Erinnern möchte ich an die Anbringung der Gedenktafel am verwitterten Grabstein von Jean Dufresne auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee im Oktober 2006. Durch seine Beharrlichkeit und Spendenbereitschaft hat es Ralph Schiffmann geschafft, diesem großen jüdischen Schachmeister und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts ein ehrendes Gedenken zu bewahren.

Ralph Schiffmann besaß die seltene Charaktereigenschaft  eines edelmütigen Menschen, der bereit war zu teilen und viel zu geben. Dabei schöpfte er nicht aus dem Quell des Reichtums. Vielmehr gab er von dem, was er sich selbst versagte. Das ging auch nur, weil er in seiner Frau eine Partnerin hatte, die seinen Idealismus akzeptierte und mittrug.

Ein Beispiel dafür. Wie mir Dagobert Kohlmeyer berichtete, half Ralph Schiffmann beim Besuch der Schacholympiade in Moskau 1994 der schwer kranken Exweltmeisterin Olga Rubzowa, ihre Not spontan mit einer Geldspende zu lindern.

Er war ein treuer Freund! Symptomatisch dafür ist seine Freundschaft mit dem Internationalen Meister Reinhard Fuchs.

Regelmäßig besuchte er seinen seit Jahren kranken Schachfreund. So auch am 13. Mai 2009. Auf dem Heimweg, zu später Stunde, hat sein Herz urplötzlich aufgehört zu schlagen.

Wir haben einen wunderbaren Menschen, einen guten und lieben Freund verloren, der gern lachte.

So freundlich wollen wir ihn in unserem Gedächtnis behalten und ihm Dank sagen für seine Güte!

Lieber Ralph Schiffmann, die Freunde des Schachs und der Emanuel Lasker Gesellschaft verneigen uns vor Ihnen.

Wir trauern mit Ihnen, liebe Frau Schiffmann, liebe Angehörige, Freunde und Bekannte um diesen edelmütigen Menschen!

(Rede von Paul Werner Wagner, Vorsitzender der Emanuel Lasker Gesellschaft, gehalten während der Trauerfeier am 28. Mai 2009 auf dem Städtischen Friedhof Lübars)

 

 

aktualisiert: 01. Juni 2009