Heiter fürchterlich gewütet

Viktor Kortschnoi mag keine unausgekämpften Partien

von Harald Fietz, November 2001 - Bilder aus dem Archiv Harald Fietz

 

   Der 9. November 1981 war ein miserabler Tag in Meran - zumindest aus Sicht von Viktor Kortschnoi. In der 14. Partie seines WM-Matches mit Anatoli Karpow gab er in schlechter Stellung seinen Zug ab und am folgenden Tag ohne Wiederaufnahme die Stellung. Er geriet mit 2-5 in Rückstand und nach 18 Spielen endete der letzte große Anlauf auf den WM-Thron.

   Der 9. November 1989 war ein freudetrunkener Tag in Berlin - vielleicht auch für Viktor Kortschnoi im Schweizer Exil. Die Mauer fiel und der Anfang vom Ende des Risses durch Europa war vollzogen. Der 58-jährige Schachveteran hatte bei der eben beendeten Mannschaftsweltmeisterschaft in Luzern für den Gastgeber am Spitzenbrett sechs Punkte aus neun Begegnungen geholt und dachte nicht an Ruhestand. Nachdem seit 1984 der Boykott am Schachbrett gegen den einstigen Dissidenten abbröckelte, konnte Perestroika vielleicht mehr bedeuten - nämlich Wiedersehen und Spielen in der alten Heimat.

 

Viktor Kortschnoi beim Simultan in Berlin 2001

Viktor Kortschnoi: "Der Herr der Bretter"

 

   Der 9. November 2001 war ein kühler, doch sonnendurchfluteter Tag mit viel Heiterkeiten - insbesondere für Viktor Kortschnoi im 37. Stock des Forum Hotels am Berliner Alexanderplatz. Als Gründungsmitglied der Emanuel-Lasker-Gesellschaft nahm er die Jahrestagung zum Anlass, an zwei Tagen Simultan-Vorstellungen zu geben, die das Casino Berlin organisierte. Freitags trat die Schach-Prominenz an, am Samstag bot sich Vereinsspielern "die" Gelegenheit. Trotz der entspannten Wettbewerbsatmosphäre hatten die 50 Teilnehmer nichts zu lachen. Jauch-Millionär Eckhard Freise setzte sich gar zweimal "Viktor dem Schrecklichen" gegenüber - und gewann einmal! Dies blieb jedoch die Ausnahme: 24-1 und 24-2 lauteten die Ergebnisse.

 

Eckhard Freise

Jauch-Millionär Eckhard Freise

 

   Bedenkt man, welch ein enormes Pensum der Wahlschweizer in den vergangenen acht Wochen absolvierte, dann wäre vielleicht eine ökonomische Herangehensweise zu erwarten gewesen - zumal der 70-Jährige jede Partie bis zur Neige auskostet. Fast Nonstop ging es von Buenos Aires über Kreta zu zwei Turnieren in den Niederlanden und zwei Wochen nach dem Berlin-Auftritt steht die FIDE-WM auf dem Programm, in der Kortschnoi in Runde eins auf Lew Psachis treffen wird. Doch der gebürtige St. Petersburger ist und bleibt ein unbändiger Kämpfer. Spannt man den zwanzigjährigen Bogen, so erinnert heute allerdings nichts mehr an die grimmig-barsche Verbissenheit im ideologischen Spannungsfeld - in der jede Partie, jede Analyse gleichbedeutend einer Demonstration der Überlegenheit des jeweiligen Systems kam. Der Duktus der Gegenwart ist liebenswürdig mit einem selten hohen Maß an objektiver Grundhaltung. Selbst nach 50 Jahren Schach auf Topniveau will Kortschnoi noch der letzten Wahrheit einer jeden Stellung hinterherjagen. Rechthaberei als Attitüde hat dabei keinen Platz. Während andere Meister nicht selten zeternd die Gewinnträchtigkeit der eignen Stellung proklamieren, kann der Grandseigneur gelassen einwerfen, wo die andere Seite eine gute Möglichkeit verpasst hat. Und hiervon gab es einige, denn der Simultangeber schreckte nicht vor riskanten Zügen zurück. Warum immer 100 Prozent korrekt agieren, ein Simultan ist schließlich auch ein beiderseitiges Experiment.

   Im kurzen Frage-Antwort-Teil zur Begrüßung führte Kortschnoi aus, dass er zeitlebens ungefähr 70 Eröffnungssysteme gespielt hat. Deshalb ist der Fundus an Stellungsmustern schier unerschöpflich, so kann die ganze Bandbreite des königlichen Spiels abgeklopft werden. Er greift aber auch zu Eröffnungsvarianten, die er ansonsten kaum anwendet (z. B. den Vierbauernangriff im Königsinder). Andere Schachgrößen taten das ebenso: Lasker wählte oft das Mittelgambit, welches er in Turnieren nicht wagte, oder Kasparow spielt bisweilen im dritten Zug c3 in sizilianischen Partien. Solches Terrain kann für den Großmeister gelegentlich zum Minenfeld werden. Das musste der stets von seiner Ehefrau Petra begleitete Weltenbummler gegen den seit 20 Jahren nicht mehr im Verein spielenden Klaus Möckel erkennen, der ihm beim Freitagsauftritt die einzige Niederlage zufügte.

 

Petra Kortschnoi

Petra Kortschnoi ist immer an der Seite des Super-Großmeisters

 










Kortschnoi,V - Moeckel,K [A69]
Simultan Casino Berlin, 2001
[Fietz]

 

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f4 0-0 6.Sf3 c5 7.d5 e6 8.Le2 exd5 9.cxd5 Te8 10.e5 dxe5 11.fxe5 Sg4 12.Lg5 Da5 Wird von Anatoli Waisser in seinem Eröffnungwerk zum Vierbauernangriff gegenüber 12...Db6 als weniger effektiv bewertet. 13.0-0 Sxe5 14.Lb5 Ein neuer Zug! 14...Ld7 15.Sxe5 Lxb5 16.Sxb5 Lxe5 17.a4 a6 18.d6 [Nach 18.Df3 f5 19.Sc3 Sd7 20.Tfd1 Db6 hat Schwarz die Initiative.] 18...axb5 19.Dd5 Ld4+ 20.Kh1 Tf8 21.Txf7 Txf7 22.Tf1 Lf2! Dieser hübsche Verstellungszug war Kortschnoi entgangen. 0-1


   Ansonsten gab es keine Geschenke - 24 Mal wurde beim Weißspieler der volle Punkt eingetragen. Der eben von der Jugendweltmeisterschaft zurückgekehrte Attila Figura vom SK Kreuzberg musste dem Angriffswirbel im Kompensationsgeschäft Dame gegen drei Figuren Tribut zollen, während Professor Freise damenlos "sauber abgefieselt" wurde, wie er es unakademisch umschrieb. Kortschnoi hatte gegen ihn ein einfaches Patentrezept: "Herr Professor, gegen Sie muss ich nur die Damen tauschen!"

 










Kortschnoi,V - Figura,A [E76]
Simultan Berlin Casino, 2001

 

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f4 0-0 6.Sf3 Sa6 7.e5 Sd7 8.Le2 c5 9.exd6 cxd4 10.dxe7 Dxe7 11.Sxd4 Te8 12.Sdb5 Sdc5 13.0-0 Lf5 14.Lf3 Sd3 15.g4 Dc5+ 16.Kg2 Tad8 [16...Te1 Diesen Zug schlug Kortschnoi unmittelbar nach den Händedruck im Gewinnsinne vor. Doch die Sache bleibt kompliziert: 17.Dd2 Txf1 18.Kxf1 Le6 19.b3 Td8 20.Tb1 Td7 .] 17.gxf5 Sxf4+ 18.Lxf4 Txd1 19.Taxd1 Dxf5 20.Lg3 Dg5 21.Ld5 Te7 22.Sd6 Lxc3 23.Sxf7 Dh5 24.bxc3 Sc7 25.Lxc7 Txc7 26.Sd6+ Kh8 27.Tde1 Td7 28.Se8 Dh6 29.Kh1 Td8 30.Te3 b5 31.Th3 1-0

 

 










Kortschnoi,V - Freise,E [D07]
Simultan Casino Berlin, 2001
[Fietz]

 

1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.cxd5 Dxd5 4.e3 e5 5.Sc3 Lb4 6.Ld2 Lxc3 7.bxc3 exd4 8.cxd4 Sge7 9.Se2 Lg4 10.Db3 Dd6 11.Sc3 0-0 12.h3 Le6 13.Se4 Dd5 14.Dxd5 Lxd5 15.Sc3 f5 16.Sxd5 Sxd5 17.Lc4 Tfd8 18.Tb1 Tab8 19.g4 Kh8 [Ebenso wenig versprach lt. Freise 19...g6 20.gxf5 gxf5 21.Tg1+! ] 20.gxf5 Sce7 21.Ld3 c5 22.e4 Sb4 23.Lxb4 cxb4 24.d5 Sc6 25.Le2 Se5 26.Txb4 1-0


   Das gemeinsame Leid des mächtigen "Kortschnoi-Läufers auf e5" ereilte - einträchtig nebeneinander sitzend - den Marburger Historiker Ulrich Sieg vom Schachclub Lübeck (in der 2. Bundesliga Nord im zweiten Team aktiv) und den Berliner Schachverleger Arno Nickel, einen bekannten Fernschachspieler, der seit Herbst den ICCF-GM-Titel innehält. In ihrer Ecke tobte sich Kortschnoi taktisch aus. Insbesondere der Schlussakkord gegen Nickel versetzte die Schar der Staunenden in den Zustand der Bewunderung. Sieht leicht aus, ereilt einen aber plötzlich.

 










Kortschnoi,V - Sieg,U [B02]
Simultan Casino Berlin, 2001

 

1.e4 Sf6 2.e5 Sd5 3.Sc3 e6 4.d4 d6 5.Sf3 dxe5 6.Sxe5 Sxc3 7.bxc3 Sd7 8.Sf3 b6 [Konrekt ist 8...c5 U. Sieg.] 9.Ld3 Lb7 10.0-0 Le7 11.Te1 0-0 12.c4 Lf6 13.c3 c5 14.Tb1 Tc8 15.Le3 Dc7 16.Sg5 g6 17.Dg4 Lg7 18.Lf4 e5 19.Lg3 Tfe8 20.d5 h6? [Besser war 20...Tcd8 mit der Idee Lc8.] 21.Sxf7 Sf6 22.Sxh6+ Lxh6 23.Dxg6+ Lg7 24.Lf5 Dd6 25.Te3 Von Kortschnoi zusammenfassend mit "Langsam!" kommentiert. Weiß hat alles unter Kontrolle. 25...Tcd8 26.Tbe1 Lc8 27.Lxc8 Txc8 28.Lxe5 Df8 29.Th3 Te7 30.f4 Tce8 31.Tee3 Df7 32.Df5 Sd7 33.Dh7+ Kf8 34.Ld6 Df6 35.Te6 Das Finale wurde süffisant-lächend vollendet mit: "Wohin spielst Du sie?" 1-0

 

Viktor Kortschnoi

Viktor Kortschnoi studiert den Angriff auf die Stellung von Ulrich Sieg

 

 










Kortschnoi,V - Nickel,A [E49]
Simultan Casino Berlin, 2001
[Anmerkungen von Arno Nickel]

 

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.f3 d5 5.a3 Lxc3+ 6.bxc3 c5 7.cxd5 exd5 8.e3 0-0 9.Ld3 Te8 10.Se2 Sc6 11.0-0 b6 12.Sg3 Le6!?N Statt auf Verhinderung von e3-e4 zu spielen, strebt Schwarz schnelles Gegenspiel auf der c-Linie verbunden mit Druck gegen den Bauern d4 an. [12...h5 wurde auch schon gespielt, war Schwarz aber zu verpflichtend.; 12...Lb7 ist der am häufigsten gespielte Zug.] 13.Lb2?! Zeitverlust, wie sich bald herausstellt, denn zu einer Öffnung des Zentrums läßt es Schwarz nicht ohne weiteres kommen. Der Läufer wird am Königsflügel gebraucht. 13...Tc8 14.Kh1 Sa5 15.e4 cxd4 16.cxd4 Sc4 17.Lxc4 A tempo gespielt, denn Weiß will den Springer hier auf keinen Fall dulden. 17...Txc4 18.e5 Sd7 19.f4 f5 20.exf6 [Im Gewinnsinne, d.h. praktisch gesehen, wohl am aussichtsreichsten, wenn auch nicht unbedingt durch eine solide Bauernstruktur. Bei geschlossener Stellung bestünde eine starke Remistendenz, z.B.: 20.Dd3 g6 21.Tac1 b5 22.Lc3 Dh4 23.Tc2 Tec8 24.Se2 Sb6 25.Kg1 (25.Tfc1 Df2 ) 25...a6= ] 20...Sxf6 21.f5 Lf7 22.Lc1 b5 23.Lf4 Db6 24.Le5 Tec8 25.Dd2 Tc2 26.Df4 T8c6 Schwarz will jedes Risiko vermeiden und hält sich alle Optionen offen.. [26...a5!?~~ 27.Tab1 b4 28.axb4 axb4 29.Lxf6 gxf6!? (29...Dxf6? 30.Txb4+/- ) 30.Tfe1 b3~~ ] 27.h4?! h6 28.Tae1 Noch agiert Schwarz sehr vorsichtig und ist auf die Sicherung seiner Grundreihe bedacht. 28...Dd8 29.Kg1 a6 [29...a5!? ] 30.Tf3 Ta2 31.Tfe3 Tcc2 32.T3e2?-/+ Die Aufgabe der dritten Reihe war nicht nötig. [Besser ist 32.T1e2 Txe2 33.Sxe2=/+ ] 32...Txe2 33.Sxe2 Da5? Plötzlich sucht Schwarz, unter großer Anspannung stehend, doch die Zuspitzung. Das kühle Nehmen auf a3 wäre vorzuziehen gewesen. [33...Txa3-/+ 34.Tc1 b4 35.Tc7 Ta2 36.Sc1 Ta1 37.Kh2 Se8 (37...a5?! 38.Sd3 b3? 39.Tb7 ) 38.Ta7 (38.Tb7?? Dc8+- ) 38...Db6 39.Te7 Ta3 40.Dd2 (40.Dg4 Sf6-/+ ) 40...Tc3 41.Sd3 a5-/+ ] 34.Tc1!<=> Sh5??+- [Interessant war 34...Txe2 35.Lxf6 Dxa3 mit 36.Tc8+ (36.Dg4?? Dxc1+ 37.Kh2 Dc7+ 38.Le5 Txe5-+ ) 36...Te8 37.Dg4 (37.Txe8+ Lxe8 38.De5 gxf6 39.Dxe8+ Df8 40.De6+ Kg7 41.Dxd5~~ ) 37...Df8 38.Tc7 Te1+ (38...Te4 39.Dg3 h5 40.Le5 Tg4 41.Dc3+/- ) 39.Kf2 Te4 40.Dg3 h5 41.Le5 Tg4 42.Df3~~ (42.Dc3? Le6! ) ; 34...Dd8?! 35.Tc6 Se8 (35...Txe2? 36.Lxf6+/- ) 36.Sg3+/= mit der Drohung Txh6!] 35.Tc8+ Kh7 [35...Le8 36.Txe8+ (36.Dg4+- ) 36...Kf7 37.Ld6+- ] 36.Dxh6+ 1-0


   Auch an Tag zwei hätte Kortschnoi ein 24-1 bilanziert, wenn nicht der 26. Mann, der Mittelalter-Experte Freise seine zweite Chance wahrgenommen hätte. In der Revanche machte der Großmeister sicher einen Fehler, denn das Jänisch-Gambit ist die Passion des Historikers - wie schon Anand bei den Chess Classic Mainz bemerkte. Auch die Damen blieben diesmal länger im Spiel.

 










Kortschnoi,V - Freise,E [C63]
Simultan Casino Berlin, 2001
[Anmerkungen von Eckhard Freise]

 

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 f5 Gegen ihre Majestät Kortschnoi den Schrecklichen hilft vielleicht der "Casino-Stil" a la Rittmeister Jänisch? 4.d3 [Anand wählte im Juni eine andere Variante: 4.Sc3 fxe4 5.Sxe4 Sf6 6.Sxf6+ Dxf6 7.De2 Le7 8.0-0 0-0 9.Lxc6 dxc6 10.Sxe5 Lf5 .] 4...fxe4 5.dxe4 Sf6 6.0-0 Lc5 7.Lxc6 bxc6 8.Sxe5 0-0 9.Sd3 [Oder 9.Lg5 De8! (9...La6 10.Sd3 d6 11.Sxc5 Lxf1 12.Se6 De7 13.Sxf8 La6 14.Sxh7 Kxh7 15.Sc3 Balcerak-Freise, Senden 1998.) 10.Lxf6 Txf6 11.Sd3 Ld4 12.c3 Lb6 13.Sd2 d6 14.Da4 Ld7 15.Tae1 Dg6© Schaar - Freise, ICCF MN-83, 2001] 9...Sxe4 10.Sxc5 Sxc5 11.Sc3 Df6 Neue Pfade in der wilden Savanne! 12.Le3 Se6 13.f4 Auf sie mit Gebrüll! Die Manöver der schwarzen Dame sollen f5 verhindern, wirken aber aufreizend. 13...Dg6 14.Tf3 Tf6 15.Se2 d6 16.Sg3 Dg4 17.h3?! Die falsche Fährte. [ Zwar hätte 17.f5 nicht viel näher zur Beute geführt 17...Sg5 18.Tf4 Dxd1+ 19.Txd1 h6 ; Besser war 17.Dd2! ] 17...Dh4 18.Dd3 Jetzt strauchelt der alter Löwe. 18...Sg5 19.fxg5 Txf3 20.Se4! [Die Tatze in der Falle, beißt er mutig ab, denn 20.gxf3 Dxg3+ kostet ihn das ganze Fell.] 20...Tf7?! [Tollkühn den Kopf in den Rachen gelegt! 20...Txe3 20...Txe3 erschien dem Jäger nicht Trophäe genug.; Richtig war 20...Tf8! mit Hatz auf das Leu nach 21.Dc4+ Kh8 22.Dxc6 Lxh3 .] 21.Dc4 Kf8 "Das geht vielleicht." (O-Ton Kortschnoi). Verhindert 22.Sf6+ mit Damenverlust. 22.Dxc6 Lb7! "Sind wir denn hier im wilden Osten." (O-Ton Freise). 23.Dxb7 Te8 Sieht verlockend aus, aber... 24.g6 Dxe4 [Der gefürchtete Biss des Schrecklichen wegen 24...hxg6 25.Sg5 .] 25.Dxe4 Txe4 26.gxh7 [26.gxf7 Txe3 27.Tf1 Te7 sieht sehr friedlich aus, aber der alte Löwe wollte noch nicht schnurren.] 26...Th4 27.Lxa7 c5! Degradiert den stolzen Läufer zum Großbauern! 28.Lb8 Ke7 29.Td1 Tf6 30.a4 Txh7 31.a5 Th8 32.Lc7 Kd7 33.Lb6 Kc6 Der Löwe im Käfig ... 34.c3 Te8 Und der Massai-Krieger auf den Linien! 35.b4 Te2 36.bxc5 dxc5 37.Td3 Tg6 38.g3 Td6 Nach Verlust der zweiten Pranke rückt das Halali näher! 39.Txd6+ Kxd6 40.h4 Tc2 41.h5 Txc3 42.Kf2 Kd5 43.g4 Ke4 44.a6 c4 45.g5 Tc2+ 46.Ke1 Ta2 Hier musste der Jäger zum ICE eilen; dennoch von Weiß aufgegeben. Eine noble Geste des Königs der Löwen! 0-1


   Der Rest der Vereinsspieler konnte wenig ausrichten. Einzig die junge Janine Platzek und der Senior, Konrad Durth, erspielten zwei Remis.

 










Kortschnoi,V - Platzek,J [C45]
Simultan Casino Berlin, 2001

 

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Lc5 5.Le3 Df6 6.c3 Sge7 7.Lc4 0-0 8.0-0 b6 9.Sxc6 Dxc6 10.Ld5 Sxd5 11.exd5 Db5 12.Lxc5 Dxc5 13.Dd3 Lb7 14.Td1 Tfe8 15.c4 Te5 16.Sc3 Tae8 Schwarz hat ohne Mühe die Eröffnung überstanden und hat auch in der Folge keine Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. 17.Kf1 De7 18.h3 Dg5 19.Dd4 Dg6 20.Te1 Txe1+ 21.Txe1 Txe1+ 22.Kxe1 Dxg2 23.De5 h6 24.Dxc7 Dg1+ 25.Ke2 La6 26.b3 Da1 27.Kd2 Db2+ 28.Kd3 Dxf2 29.Dxa7 Df3+ 30.Kd2 Df4+ 31.Kd1 Dd4+ 32.Kc2 Df2+ 33.Kd3 Df3+ 34.Kd2 Df4+ 1/2-1/2

 

Janine Platzek

Janine Platzek erkämpfte ein sicheres Remis

 

 










Kortschnoi,V - Durth,K [C42]
Simultan Casino Berlin, 2001

 

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sc3 Lb4 4.Sxe5 0-0 5.Sd3 Lxc3 6.dxc3 Sxe4 7.Le2 d5 8.0-0 Lf5 9.Sf4 c6 10.Le3 Sd7 11.c4 dxc4 12.Lxc4 Se5 13.Lb3 Sg6 14.f3 Sf6 15.Dxd8 Tfxd8 16.g4 Sxf4 17.Lxf4 Lg6 18.Lg5 Td7 19.Lxf6 gxf6 20.h4 Td2 21.Tf2 Tad8 22.h5 Lxc2 23.Lxc2 Txf2 24.Kxf2 Td2+ 25.Kg3 Txc2 26.h6 Kf8 27.b3 Td2 28.a4 a5 29.Kf4 Th2 30.Tc1 Txh6 31.Tc5 Th2 32.Txa5 Tb2 33.Ta8+ Ke7 34.a5 Txb3 35.a6 bxa6 1/2-1/2


   Und das ist eine wahre Leistung, denn so mancher Amateur wird überrascht gewesen sein, dass sein Remisangebot abschlägig beschieden wurde. Ein Kortschnoi hat sich bald in jede Stellung "eingelebt" - nirgendwo wird der erstbeste Zug pragmatisch hingeworfen. Nein, lieber verweilt er ein wenig länger am Brett, schließlich soll eine Partie einen logischen Plan haben. Auch wenn es etwas länger dauert, den zu finden, wie mehr als viereinhalb Stunden für 25 Bretter verdeutlichen. Kondition scheint, trotz der 70 Lenze, kein Thema zu sein. Das Zitat "Schach ist Gymnastik des Gehirns" wird Lenin zugeordnet, aber im Fall von Kortschnoi ist es zudem ein physischer Gymnastikakt. Mal tief vorüber gebeugt, den Kopf auf eine Hand gestützt, manchmal den Daumen am Mund, dann wieder aufrecht stehend im Hohlkreuz, die Hände über - gelegentlich auch hinter - dem Kopf zusammenführend. Schließlich folgt nach ein, zwei Minuten ein heiteres Lächeln, bisweilen ein kesser Spruch und während er schon am nächsten Brett ist, ein kurzer Blick zurück - einmal auf das Brett und einmal zum Gegenüber. So dreht er seine Runden und ist selbst nach getaner Arbeit noch gewillt, einzelne Partien mit den Organisatoren auf wichtige Wendepunkte durchzuschauen. Kein Spieler, kein Publikum kann mehr erwarten.

 

Viktor Kortschnoi

Entlang der Bretter
Kortschnoi praktiziert im Hintergrund seine "Gymnastikübungen"

 

   Und auch die Emanuel-Lasker-Gesellschaft wird froh gewesen sein, mit diesem Zugpferd Aufmerksamkeit für ihre Ziele erreicht zu haben. Die Buch-Dokumentation des Lasker-Kongreß vom Januar 2001 ist für Mai 2002 terminiert. Der Sommersitz des zweiten Weltmeisters wird von der Gemeinde Thyrow (südlich von Berlin) erworben und der Gesellschaft im Erbpacht-Vertrag übergeben; ab kommendem Frühjahr sollen Sponsorengelder eingeworben werden. Vielleicht gibt es dort ja am 9. November 2011 ein Simultan mit den Ehrenmitglied - um seine Ausdauer und Spielfreunde wird man nicht fürchten müssen. Und alle Teilnehmer sollten gewarnt sein: Auch ein 80-jähriger Viktor Kortschnoi wird keine unausgekämpften Partien mögen!

 

Paul Wagner

Paul Wagner, der Vorsitzende der Emanuel-Lasker-Gesellschaft

 










Kortschnoi,V - Deutschmann,M [B38]
Simultan Casino Berlin, 2001

 

1.c4 g6 2.e4 c5 3.Sf3 Sc6 4.d4 cxd4 5.Sxd4 Lg7 6.Le3 Sf6 7.Sc3 d6 8.Le2 0-0 9.0-0 Sxd4 10.Lxd4 Le6 11.f4 a6 12.f5 Ld7 13.a4 Lc6 14.Dd3 Sd7 15.Lxg7 Kxg7 16.a5 b6 17.Dd4+ Kg8 18.axb6 Dxb6 19.Dxb6 Sxb6 20.f6 e6 21.Tfd1 Tfd8 22.Ta5 Lb7 23.g4 Td7 24.g5 Kf8 25.Kf2 Ke8 26.Td3 Kf8 27.h4 Tad8 28.Ta1 Tc8 29.Tad1 Tcd8 30.T3d2 Ke8 31.Ke3 Sc8 32.Ta1 Sa7 33.b4 Sc6 34.b5 axb5 35.Sxb5 d5 36.cxd5 exd5 37.Lg4 Se5 38.Lxd7+ Txd7 39.Kf4 Sc4 40.Td4 Sb6 41.e5 Sc4 42.Ta7 Lc6 43.Sc7+ Kd8 1-0

 

Matthias Deutschmann

Matthias Deutschmann, der lautlose Brüter

 

 

Viktor Kortschnoi gegen Dagobert Kohlmeyer

Viktor Kortschnoi bereitet den Sieg gegen Dagobert Kohlmeyer vor

 
 










Kortschnoi,V - Kohlmeyer,D [D85]
Simultan Casion Berlin, 2001

 

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.Sf3 Lg7 6.e4 Sxc3 7.bxc3 c5 8.h3 0-0 9.Le3 Sc6 10.Le2 cxd4 11.cxd4 Da5+ 12.Ld2 Dd8 13.d5 Sd4 14.Sxd4 Lxd4 15.Tc1 e6 16.0-0 exd5 17.Lb4 Te8 18.Dxd4 Txe4 19.Dd2 Dh4 20.Ld6 Ld7 21.Lg3 Df6 22.Lf3 Dd4 23.Tfd1 Dxd2 24.Txd2 1-0

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