Warum wir beim Schach immer wieder dieselben Fehler machen – und wie KI uns helfen kann, sie zu verstehen

Vom Geburtstagsgeschenk zum persönlichen KI-Schachcoach: Ein Gespräch mit Philip Lankes, dem Gründer von Rookion, über künstliche Intelligenz, individuelles Lernen, die Bedeutung von Reflexion und seine Vision für die Zukunft des Schachs.

Wer kennt es nicht? Man spielt regelmäßig Schach, analysiert anschließend seine Partien und sieht, welche Züge besser gewesen wären. Trotzdem passieren in der nächsten Partie häufig dieselben Fehler – oftmals ohne dass einem überhaupt bewusst ist, dass man diese Fehler immer wieder macht. Genau hier setzt Rookion an. Der KI-Schachcoach begleitet Spieler durch ihre eigenen Partien und versucht herauszufinden, welche Gedanken, Entscheidungen und Denkmuster hinter ihren Fehlern stecken. Statt einfach nur Lösungen zu präsentieren, stellt er gezielte Fragen, regt zum Nachdenken an und hilft dabei, aus den eigenen Erfahrungen zu lernen.

Entwickelt wird Rookion von Philip Lankes, der damit seine Begeisterung für Schach, künstliche Intelligenz und digitale Produkte verbindet. Seine langfristige Vision geht dabei weit über die Analyse einzelner Schachpartien hinaus.

Philip Lankes

1. Philip, stell dich und Rookion doch zunächst einmal kurz vor. Wie bist du überhaupt zum Schach gekommen?

Mein Name ist Philip Lankes und ich bin der Gründer von Rookion. Mit dem Projekt verbinde ich eigentlich drei Dinge, die mich schon lange begleiten und begeistern: Schach, künstliche Intelligenz und die Entwicklung digitaler Produkte.

Zum Schach bin ich bereits als Kind durch meinen Vater gekommen. Er ist ein erfahrener Oberliga-Spieler und beschäftigt sich bis heute täglich mehrere Stunden intensiv mit Schach. Ich selbst habe damals unter anderem mit „Fritz & Fertig“ die Grundlagen gelernt und mich schon früh für das strategische und logische Denken hinter dem Spiel begeistert.

Beruflich bin ich später im Produktmanagement gelandet und habe mehrere Jahre an digitalen Produkten für Endkunden gearbeitet, zuletzt in leitender Verantwortung für Produktstrategie und Produktmanagement.

Heute entwickle ich Rookion als Solo-Gründer und versuche dabei, meine beruflichen Erfahrungen mit meiner persönlichen Begeisterung für Schach und den Möglichkeiten moderner KI zu verbinden.

2. Wie ist die Idee zu Rookion entstanden?

Da kamen tatsächlich mehrere Dinge zusammen: 2025 habe ich angefangen, einen Teil des Winters im Ausland und im Warmen zu verbringen. Dort habe ich mit vielen unterschiedlichen Menschen Schach gespielt und mich natürlich auch viel mit ihnen über das Spiel ausgetauscht. Dabei ist mir immer wieder etwas aufgefallen: Viele hatten bereits Hunderte oder sogar Tausende Partien auf Chess.com oder Lichess gespielt, kamen aber irgendwann nicht mehr wirklich voran. Ihre Elo stagnierte, bestimmte Fehler wiederholten sich und häufig war ihnen überhaupt nicht bewusst, woran das eigentlich lag. Einige haben mir auch erzählt, dass sie irgendwann frustriert waren und sogar wieder aufgehört haben, regelmäßig Schach zu spielen, weil sie einfach keine Fortschritte mehr gesehen und dadurch die Freude am Spiel verloren hatten. Das hat mich ziemlich beschäftigt. Denn eigentlich ist es doch schade, wenn jemand Spaß an Schach hat, regelmäßig spielt und irgendwann aufgibt, weil er nicht versteht, warum er sich nicht verbessert.

Der konkrete Anstoß für Rookion kam dann durch ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater. Ich wollte ihm nicht noch ein weiteres Schachbuch oder klassisches Schachprogramm schenken, sondern etwas entwickeln, das ihm ganz persönlich dabei hilft, seine eigenen Schwächen und Denkmuster besser zu verstehen. Denn Schach-Engines sind inzwischen unglaublich gut darin, uns zu zeigen, welcher Zug der beste gewesen wäre. Was sie aber häufig nicht erklären, ist, warum wir selbst diesen Zug nicht gefunden haben. Habe ich eine gegnerische Drohung übersehen? Die Stellung strategisch falsch eingeschätzt? Oder hatte ich eigentlich die richtige Idee, aber bei der Berechnung etwas übersehen? Genau diese Fragen fand ich viel interessanter als die reine Bewertung eines Zuges.

Während der Entwicklung bin ich auch selbst wieder stärker ins Schach eingestiegen. Und tatsächlich hatte ich schon beim Entwickeln und Ausprobieren der ersten Versionen immer wieder Aha-Momente, in denen mir eigene Fehler und Denkmuster bewusst geworden sind, die ich vorher überhaupt nicht wahrgenommen hatte. Anschließend habe ich Rookion mit anderen Schachspielern ausprobiert und ähnliche Rückmeldungen bekommen. Da hieß es dann beispielsweise sinngemäß: „Krass, das ist mir vorher überhaupt nicht aufgefallen“ oder „Jetzt verstehe ich endlich, warum mir das immer wieder passiert.“ Das hat mich darin bestärkt, diesen Ansatz weiterzuverfolgen.

Aus dem ursprünglich persönlichen Geburtstagsgeschenk ist so Schritt für Schritt die Idee für einen KI-Schachcoach entstanden, der individuelles Schachtraining für deutlich mehr Menschen zugänglich machen soll.

3. Was genau macht Rookion anders als eine klassische Schachanalyse?

Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Rookion versucht, nicht nur den gespielten Zug zu analysieren, sondern auch den Gedankengang und die Denkmuster dahinter zu verstehen. Bei einer klassischen Analyse sehe ich beispielsweise, dass mein Zug die Bewertung von +0,5 auf −2,3 verschlechtert hat. Vielleicht bekomme ich noch die beste Variante angezeigt. Aber was lerne ich daraus?

Ich weiß anschließend zwar, was ich hätte spielen sollen, aber häufig noch immer nicht, warum ich die bessere Fortsetzung überhaupt übersehen habe. Und noch problematischer wird es, wenn mir gar nicht bewusst ist, dass ich einen bestimmten Denkfehler immer wieder mache.

Denn wie soll ich etwas verbessern, wenn ich überhaupt nicht weiß, dass ich es falsch mache?

Rookion geht deshalb einen anderen Weg. Statt sofort den besten Zug und die dazugehörige Erklärung zu präsentieren, fordert der Coach den Spieler zunächst dazu auf, die Stellung selbst zu betrachten und nach einer besseren Fortsetzung zu suchen. Wenn man nicht weiterkommt, gibt Rookion gezielte Hinweise und unterstützt einen dabei, die entscheidenden Zusammenhänge selbst zu erkennen. Anschließend geht es darum, den eigenen Gedankengang zu verstehen. Was war mein ursprünglicher Plan? Welche gegnerische Antwort habe ich erwartet? Was habe ich möglicherweise übersehen?

Ein vereinfachtes Beispiel: Ich habe einen Zug gespielt, weil ich damit einen gegnerischen Läufer angreifen wollte. Dabei habe ich aber möglicherweise eine viel größere Drohung meines Gegners übersehen. Statt mir einfach nur zu sagen, dass mein Zug schlecht war, hilft der Coach mir dabei, diese Drohung selbst zu erkennen und zu verstehen, warum ich sie überhaupt übersehen habe. Vielleicht war ich so sehr auf meinen eigenen Plan konzentriert, dass ich die Ideen meines Gegners gar nicht mehr ausreichend berücksichtigt habe. Und genau das ist dann die eigentlich wertvolle Erkenntnis, die ich auch in zukünftigen Partien anwenden kann.

Das Prinzip dahinter nennt sich sokratischer Dialog: Statt dem Spieler sofort die Lösung zu präsentieren, versucht man, ihn durch gezielte Fragen selbst zu den entscheidenden Erkenntnissen zu führen und ihn bei der Reflexion seiner eigenen Entscheidungen zu begleiten. So entsteht kein statischer Analysebericht, sondern ein persönlicher Lernprozess, der einem Gespräch mit einem Schachcoach näherkommt. Mein Ziel ist, dass man nach einer Analyse nicht einfach nur weiß, welcher Zug besser gewesen wäre, sondern versteht, weshalb man sich für seinen ursprünglichen Zug entschieden hat und worauf man in vergleichbaren Situationen künftig achten sollte.

4. Wie funktioniert das in der Praxis? Wie kann man mit Rookion trainieren?

Im Mittelpunkt stehen die eigenen Partien. Man kann entweder direkt gegen Rookion spielen oder Partien von Chess.com, Lichess beziehungsweise als PGN importieren.

Inzwischen lassen sich Chess.com- und Lichess-Konten auch dauerhaft verbinden. Rookion schaut dann automatisch nach neuen Partien und importiert diese, sodass man sich nicht jedes Mal selbst darum kümmern muss. Wer klassisch am Brett spielt, kann außerdem seine handschriftlichen Partieformulare fotografieren und hochladen. Rookion versucht dann, die notierten Züge zu erkennen und die Partie zu digitalisieren. Dabei werden die erfassten Züge auch auf ihre schachliche Plausibilität überprüft, um mögliche Fehler beim Auslesen oder bei der ursprünglichen Notation zu erkennen. Das finde ich gerade für Vereinsspieler und Turnierteilnehmer interessant, die ihre Partien noch klassisch auf Papier notieren. Anschließend analysiert Rookion die Partie und identifiziert zunächst die drei wichtigsten kritischen Momente. Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich anschließend auch weitere Stellungen anschauen. Bei jedem dieser Momente zeigt der Coach die entsprechende Stellung und fordert den Spieler zunächst dazu auf, selbst nach einem besseren Zug zu suchen. Wenn man nicht weiterkommt, bekommt man Hinweise. Anschließend erklärt Rookion, was die bessere Fortsetzung gewesen wäre, welche Ideen dahinterstecken und was man möglicherweise übersehen hat. Daraus kann sich ein individueller Dialog entwickeln, in dem man gemeinsam mit dem Coach die eigenen Überlegungen hinterfragt, alternative Ideen diskutiert und versucht, die Stellung besser zu verstehen.

Wer lieber direkt eine Erklärung möchte, kann auch die Funktion „Kurz erklärt“ nutzen. Am Ende erhält man eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse. Alle importierten und gespielten Partien bleiben außerdem in einer persönlichen Partiensammlung gespeichert, inklusive der bisherigen Coaching-Verläufe und Spielberichte. So kann man sich über die Zeit auch ein eigenes digitales Partiearchiv aufbauen. Gerade bei handschriftlichen Partieformularen finde ich das praktisch, weil man seine früheren Turnierpartien dauerhaft digital aufbewahren kann, statt irgendwann einen ganzen Stapel Papier durchzusuchen oder einzelne Formulare zu verlieren.

Generell versuche ich, möglichst viel von dem organisatorischen Drumherum zu automatisieren. Mein Wunsch ist, dass jemand nach dem Spielen einfach Rookion öffnet, seine neuesten Partien bereits vorfindet und direkt mit dem Lernen beginnen kann.

Erst selbst nachdenken: Die Lösung bleibt zunächst verdeckt. Rookion greift die Überlegungen des Spielers auf und lenkt seinen Blick mit gezielten Rückfragen auf die eigentliche Gefahr.

5. Die Emanuel Lasker Gesellschaft setzt sich für Schach als Kultur- und Bildungsgut ein. Welche Bedeutung hat das Lernen und die persönliche Weiterentwicklung für dich?

Eine ziemlich große, und das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, weshalb ich Rookion überhaupt in dieser Form entwickle. Ich habe selbst in der Vergangenheit viel kompetitiven Sport und Leistungssport betrieben. Gerade dort spielt Reflexion eine unglaublich wichtige Rolle. Wenn man sich sportlich weiterentwickeln möchte, reicht es schließlich nicht, einfach nur immer wieder das Gleiche zu machen und zu hoffen, dass man irgendwann besser wird. Man muss sich mit seinen Leistungen auseinandersetzen, Fehler erkennen, die eigenen Entscheidungen hinterfragen und schauen, was man beim nächsten Mal besser machen kann. Genau diesen Gedanken wollte ich auf Schach übertragen. Denn auch hier geht es letztlich um einen kontinuierlichen Lernprozess:

Spielen → Reflektieren → Verstehen → Verbessern.

Dabei finde ich gerade die Fehler besonders interessant, die einem selbst noch gar nicht bewusst sind. Wenn ich weiß, dass ich regelmäßig Figuren einstelle, kann ich versuchen, gezielt daran zu arbeiten. Wenn ich aber beispielsweise immer wieder bestimmte strategische Situationen falsch einschätze, ohne das überhaupt zu bemerken, wird es deutlich schwieriger. Erst wenn mir diese Schwäche bewusst wird, habe ich überhaupt die Möglichkeit, gezielt daran zu arbeiten.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang auch einen Gedanken von Emanuel Lasker, den er bereits vor rund hundert Jahren formulierte und der sinngemäß lautet:

„Bildung im Schach muss eine Ausbildung in unabhängigem Denken und Urteilsvermögen sein.“

Das ist ein Ansatz, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann. Denn genau darum geht es mir auch bei Rookion: Die Spieler sollen nicht einfach nur Lösungen übernehmen oder Zugfolgen auswendig lernen, sondern die Zusammenhänge verstehen und lernen, eigenständig bessere Entscheidungen zu treffen. Und ich glaube, dass man dieses Prinzip durchaus auch auf andere Lebensbereiche übertragen kann.

Im Sport, im Beruf oder bei persönlichen Entscheidungen ist es ja ganz ähnlich: Wer sich weiterentwickeln möchte, muss bereit sein, seine eigenen Handlungen und Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen. Für mich ist das auch einer der Gründe, weshalb Schach so wertvoll sein kann. Es geht schließlich nicht nur darum, eine Partie zu gewinnen oder zu verlieren, sondern auch darum, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, Verantwortung für diese Entscheidungen zu übernehmen und aus den eigenen Fehlern zu lernen. Mit Rookion möchte ich genau diese Art des Lernens unterstützen und möglichst vielen Menschen zugänglich machen.

Den Fehler selbst erkennen: Der Spieler erkennt seinen Denkfehler. Anschließend zeigt Rookion die bessere Fortsetzung und gibt ihm einen Merksatz für zukünftige Partien mit.

6. Besteht bei künstlicher Intelligenz nicht auch die Gefahr, dass Spieler weniger selbst nachdenken, weil ihnen die KI alle Antworten liefert?

Absolut. Und genau deshalb finde ich es wichtig, wie man KI beim Lernen einsetzt. Wenn ich mir nach jeder Partie einfach nur die besten Züge erklären lasse, muss ich selbst relativ wenig nachdenken. Im schlimmsten Fall entsteht sogar eine gewisse Abhängigkeit von den vorgeschlagenen Lösungen. Rookion soll deshalb möglichst das Gegenteil bewirken. Der Coach versucht, den Spieler aktiv in den Lernprozess einzubeziehen und ihn durch Fragen und gezielte Hinweise dazu zu bringen, sich selbst mit der Stellung auseinanderzusetzen. Dabei geht es mir allerdings nicht darum, möglichst viele Fragen zu stellen. Schließlich soll das Coaching auch Spaß machen und nicht irgendwann anstrengend oder nervig werden. Wenn jemand bestimmte Grundlagen noch nicht kennt oder bei einer Frage nicht weiterkommt, bringt es wenig, endlos nachzufragen. Manchmal hilft eine Frage, manchmal ein kleiner Hinweis und manchmal ist eine direkte Erklärung einfach sinnvoller. Genau diese Balance zu finden, ist eine der Herausforderungen, an denen ich kontinuierlich arbeite.

Langfristig möchte ich, dass Rookion nicht einfach nur Antworten liefert, sondern Spielern dabei hilft, bessere Fragen zu stellen und eigenständiger über Schach nachzudenken.

7. KI kann allerdings auch Fehler machen. Wie stellst du sicher, dass Rookion keine falschen Schacherklärungen liefert?

Das ist tatsächlich eine der größten technischen Herausforderungen gewesen und bis heute einer der wichtigsten Schwerpunkte meiner Entwicklung. Sprachmodelle können unglaublich überzeugend über Schach sprechen, obwohl ihre Aussagen zur konkreten Brettstellung falsch sind. Da wird beispielsweise eine Figur auf einem Feld vermutet, auf dem sie überhaupt nicht steht, oder eine Variante erklärt, die in der tatsächlichen Stellung gar nicht möglich ist. Bei einem Schachcoach ist das natürlich besonders problematisch. Schließlich soll der Spieler etwas lernen und nicht falsche Zusammenhänge vermittelt bekommen. Deshalb habe ich Rookion bewusst nicht einfach als gewöhnlichen KI-Chatbot entwickelt.

Im Hintergrund laufen verschiedene Berechnungen und eigens entwickelte Verfahren zusammen, um die relevanten Schachinformationen möglichst zuverlässig zu verarbeiten und die Aussagen des Coaches zu überprüfen. Dabei greifen mehrere Kontroll- und Sicherheitsmechanismen ineinander, die unter anderem verhindern sollen, dass falsche Aussagen über die tatsächliche Brettstellung beim Nutzer ankommen.

Die technische Umsetzung dahinter ist ziemlich komplex und gehört für mich auch zu den wichtigsten Entwicklungsbereichen von Rookion. Natürlich ist das Ganze noch nicht perfekt. Gerade bei KI lässt sich nie vollständig ausschließen, dass Fehler entstehen. Aber genau deshalb investiere ich sehr viel Arbeit in die Zuverlässigkeit und Qualität des Coachings und entwickle die Prüfmechanismen kontinuierlich weiter. Denn was bringt mir ein Coach, der alles wunderbar erklären kann, wenn das, was er erklärt, am Ende gar nicht stimmt?

Vertrauen und Zuverlässigkeit sind für mich deshalb extrem wichtig. Der Spieler soll sich möglichst darauf verlassen können, dass das Coaching auf seiner tatsächlichen Partie basiert und nicht auf irgendwelchen erfundenen Stellungen oder Varianten.

Individueller Coaching-Dialog: Rookion geht auf die Idee des Spielers ein und hilft ihm zu verstehen, welche gegnerische Drohung er übersehen hat.

8. Für welche Spieler ist Rookion gedacht? Und welche Möglichkeiten siehst du insbesondere für Vereine und Schulen?

Aktuell richtet sich Rookion vor allem an ambitionierte Anfänger und fortgeschrittene Hobbyspieler, die bereits eigene Partien spielen und sich gezielt verbessern möchten. Besonders interessant finde ich den Ansatz für Menschen, die regelmäßig online spielen, aber keinen persönlichen Zugang zu individuellem Training haben. Nicht jeder kann oder möchte sich regelmäßige Einzelstunden leisten. Gleichzeitig fehlt vielen Spielern nach einer Partie jemand, mit dem sie ihre Gedanken und Entscheidungen gemeinsam durchgehen können. Hier möchte ich mit Rookion einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu individuellem Schachcoaching schaffen.

Auch im Vereins- und Schulschach sehe ich großes Potenzial. Beispielsweise könnten Jugendliche ihre Turnierpartien zwischen den regulären Trainingseinheiten selbstständig analysieren und die wichtigsten Erkenntnisse anschließend wieder ins gemeinsame Training mitbringen.

Für Trainer könnte das perspektivisch ebenfalls interessant sein, wenn sich dadurch wiederkehrende Schwierigkeiten ihrer Spieler besser erkennen lassen.

Ich habe Rookion inzwischen auch mit zahlreichen Schülern ausprobiert und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ein Lehrer hat Rookion außerdem aus eigener Initiative im Schulfach „Schach“ vorgestellt. Die Schüler waren begeistert, und inzwischen nutzt auch die Lehrkraft Rookion selbst. Solche Erfahrungen freuen mich natürlich besonders und bestärken mich darin, diesen Bereich weiterzuentwickeln.

Für Schulen und Vereine habe ich deshalb auch bereits eine technische Grundlage für gemeinsame Zugänge mit pseudonymen Schülerkonten vorbereitet. So sollen beispielsweise Schüler ohne eigene private E-Mail-Adresse oder Klarnamen mit Rookion arbeiten können.

In Zukunft möchte ich noch deutlich enger mit Schulen, Trainern und Schachvereinen zusammenarbeiten und gemeinsam herausfinden, wie sich Rookion sinnvoll in bestehende Trainings- und Unterrichtsangebote integrieren lässt.

Dabei geht es mir aber auch um eine größere Vision. Wenn man sich anschaut, wie viele Menschen heute auf Chess.com, Lichess und anderen Plattformen Schach spielen, ist das eigentlich unglaublich. Gleichzeitig haben viele dieser Spieler möglicherweise noch nie einen Schachverein von innen gesehen oder sind mit dem traditionellen Vereinsschach bislang kaum in Berührung gekommen. Ich würde gerne dazu beitragen, diese beiden Welten stärker miteinander zu verbinden. Vielleicht kann Rookion perspektivisch auch dabei helfen, Online-Spieler für das klassische Schach, Vereine, Turniere und gemeinsame Trainingsangebote zu begeistern. Davon könnten am Ende nicht nur die Spieler profitieren, sondern auch Vereine, Trainer und andere Akteure der Schachgemeinschaft.

Meine Hoffnung ist, dass Rookion langfristig einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, den Schachsport in Deutschland weiter zu stärken, neue Menschen dafür zu begeistern und die bestehenden Strukturen sinnvoll zu ergänzen.

9. Welche Erfahrungen hast du bisher mit der Schachcommunity gemacht und wie fließen diese in die Entwicklung ein?

Die bisherigen Erfahrungen sind für mich unglaublich wertvoll. Ich entwickle Rookion momentan alleine und kann natürlich nicht jede Perspektive selbst abdecken. Deshalb versuche ich, möglichst früh und direkt mit den Menschen zu sprechen, für die ich das Produkt entwickle: Spielern unterschiedlicher Spielstärken, Trainern, Vereinen, Schulen und Schachorganisationen. Besonders freut mich, wenn jemand nach einer Analyse schreibt, dass er einen bestimmten Zusammenhang zum ersten Mal wirklich verstanden hat oder dass ihm durch eine Rückfrage des Coaches ein eigener Denkfehler bewusst geworden ist. Mindestens genauso wichtig sind für mich aber die kritischen Rückmeldungen. Und da muss ich zugeben, dass ich manchmal eine echte Hassliebe zu negativem Feedback habe. Wenn man sehr viel Zeit, Arbeit und Herzblut in ein Produkt steckt und dann jemand sagt, dass eine bestimmte Funktion nicht gut ist oder etwas überhaupt nicht funktioniert, tut das im ersten Moment natürlich manchmal weh. Aber gerade darin steckt häufig die größte Chance, etwas wirklich besser zu machen. Denn wenn ich weiß, wo die Probleme liegen, kann ich gezielt daran arbeiten. Eigentlich ist das genau der gleiche Reflexionsprozess, den ich mit Rookion auch den Spielern vermitteln möchte. Ich muss meine eigenen Annahmen hinterfragen, offen für Kritik sein und manchmal auch akzeptieren, dass eine Idee, die ich persönlich großartig fand, in der Praxis vielleicht doch nicht so funktioniert wie gedacht.

Das gilt übrigens auch für die technische Entwicklung. Gerade bei der KI kommt es durchaus vor, dass eine vermeintliche Verbesserung am Ende sogar zu schlechteren Coaching-Ergebnissen führt. Dann muss ich wieder analysieren, woran das liegt, Dinge anpassen und erneut testen. Auch für mich ist die Entwicklung deshalb ein ständiger Lernprozess. Ich schaue mir wirklich jede Rückmeldung an und versuche, die Wünsche, Ideen und Kritikpunkte meiner Nutzer so gut wie möglich in die Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Natürlich kann ich als Solo-Gründer nicht jede Idee sofort umsetzen. Aber ich möchte, dass die Menschen wissen, dass ihre Rückmeldungen tatsächlich gehört und ernst genommen werden. Viele der heutigen Funktionen und Verbesserungen sind genau aus solchen Gesprächen entstanden.

Das macht mir persönlich auch unglaublich viel Spaß: Gemeinsam mit der Schachcommunity herauszufinden, was wirklich gebraucht wird, und zu sehen, wie Rookion dadurch Schritt für Schritt besser wird.

10. Wie soll sich Rookion in Zukunft weiterentwickeln?

Meine langfristige Vision geht deutlich über die Analyse einzelner Partien hinaus. Ich möchte, dass Rookion zu einem persönlichen Begleiter wird, der einen Schachspieler über seine gesamte Entwicklung hinweg unterstützt. Dabei orientiere ich mich auch ein Stück weit an meinen Erfahrungen aus dem Sport und Krafttraining. Wenn ich beispielsweise ins Fitnessstudio gehe, dokumentiere ich meine Übungen, Gewichte und Wiederholungen. Ich kann meine Entwicklung verfolgen, erkenne, wo ich Fortschritte mache, wo ich stagniere und woran ich gezielt arbeiten sollte. Dazu kommen Trainingspläne, Routinen und konkrete Ziele. Warum sollte so etwas nicht auch beim Schach möglich sein? Momentan hilft Rookion dabei, die eigenen Partien zu analysieren und individuelle Denkfehler zu verstehen.

Ein erster Schritt in Richtung eines längerfristigen Trainings ist inzwischen auch schon umgesetzt. Mit der Funktion „Dein Fokus“ kann Rookion über mehrere Partien hinweg wiederkehrende Fehlermuster erkennen und daraus gezielte Übungen auf Grundlage der eigenen Partien erstellen. Außerdem gibt es bereits die Möglichkeit, ein persönliches Eröffnungsrepertoire aufzubauen und mit einem Eröffnungs-Check zu überprüfen, an welchen Stellen man in seinen tatsächlichen Partien von der eigenen Vorbereitung abgewichen ist. Langfristig möchte ich diesen Ansatz noch deutlich weiter ausbauen. Der Coach soll einen Spieler mit jeder Partie und jeder Trainingseinheit besser kennenlernen, seine individuellen Stärken, Schwächen und wiederkehrenden Denkmuster verstehen und daraus immer gezieltere Trainingsempfehlungen ableiten. Stell dir beispielsweise vor, du übersiehst in deinen Partien regelmäßig gegnerische Zwischenzüge oder schätzt bestimmte Bauernstrukturen immer wieder falsch ein. Dann wäre es doch viel sinnvoller, genau an diesen persönlichen Schwächen zu arbeiten, statt einfach irgendwelche allgemeinen Taktikaufgaben zu lösen. Genau in diese Richtung möchte ich Rookion entwickeln.

Dazu gehören langfristig individuelle Trainingspläne, weitere Übungen und Lektionen zu strategischen Themen sowie ein Fortschrittssystem, mit dem man seine schachliche Entwicklung über längere Zeit nachvollziehen kann. Auch regelmäßige Trainingsimpulse, persönliche Ziele und spielerische Elemente kann ich mir gut vorstellen, um langfristig die Motivation aufrechtzuerhalten. Dabei geht es mir vor allem darum, dass das Training nicht nur effektiv ist, sondern auch Spaß macht und sich möglichst einfach in den Alltag integrieren lässt.

Mein Wunsch ist, dass Rookion irgendwann ein ganz selbstverständlicher Teil des Schachalltags wird. Man spielt eine Partie, reflektiert sie gemeinsam mit dem Coach, erkennt persönliche Schwächen, bekommt passende Übungen vorgeschlagen und kann mit der Zeit verfolgen, wie man sich weiterentwickelt. Und wenn es uns dann zusätzlich gelingt, über Rookion Spieler, Trainer, Vereine und andere Schachangebote stärker miteinander zu verbinden, wäre das natürlich umso schöner.

Mir ist allerdings auch bewusst, dass ich diese Vision nicht alleine verwirklichen kann – und ehrlich gesagt möchte ich das auch gar nicht. Ich glaube, dass wir gemeinsam mit der Schachcommunity viel mehr erreichen können, als wenn ich Rookion einfach nur für mich alleine weiterentwickle. Deshalb freue ich mich über jede Form der Unterstützung. Ganz egal, ob jemand Rookion ausprobiert, Feedback gibt, anderen davon erzählt, eigene Ideen einbringt, Rookion bereits in dieser frühen Phase als zahlender Nutzer unterstützt und mir damit einen echten Vertrauensvorschuss gibt oder Interesse an einer Zusammenarbeit hat. All das ist für mich unglaublich wertvoll und alles andere als selbstverständlich.

Gerade auch der Austausch und die Zusammenarbeit mit Trainern, Vereinen, Schulen und anderen Partnern aus der Schachwelt sind für mich besonders spannend. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam viel mehr erreichen können, als ich es alleine jemals könnte.

Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam etwas aufbauen können, das langfristig nicht nur einzelnen Spielern hilft, sondern auch einen echten Mehrwert für die gesamte Schachgemeinschaft schafft. Wer Lust hat, sich dabei einzubringen oder einfach mal über mögliche Ideen und Kooperationen zu sprechen, kann sich deshalb jederzeit gerne bei mir melden. Bis dahin gibt es allerdings noch einiges zu tun. Im Moment konzentriere ich mich deshalb vor allem darauf, die Qualität des Coachings weiter zu verbessern und gemeinsam mit den Nutzern herauszufinden, welche nächsten Schritte tatsächlich den größten Mehrwert bringen.

11. Zum Abschluss: Wie können Interessierte Rookion ausprobieren und sich vielleicht auch an der Weiterentwicklung beteiligen?

Am einfachsten über www.rookion.de.

Rookion kann kostenlos ausprobiert werden. Man kann eigene Partien importieren, analysieren und aktuell jeden Monat bis zu drei Partien gemeinsam mit dem KI-Coach durchgehen. Ich würde mich natürlich freuen, wenn möglichst viele Schachinteressierte das Ganze einfach mal mit einer ihrer eigenen Partien ausprobieren. Und fast noch mehr freue ich mich über ehrliches Feedback.

Rookion ist noch ein junges Produkt, und ich bin für jede Rückmeldung dankbar – ganz egal, ob jemand eine Funktion vermisst, einen Fehler entdeckt, eine Idee hat oder einfach erzählen möchte, wie er das Coaching erlebt hat. Auch mit Trainern, Vereinen und Schulen würde ich gerne gemeinsam herausfinden, wo Rookion sinnvoll eingesetzt werden kann und was dafür vielleicht noch fehlt.

Mein langfristiges Ziel ist es, individuelles und qualitativ hochwertiges Schachcoaching für deutlich mehr Menschen zugänglich zu machen und dabei möglichst auch die bestehende Schachgemeinschaft zu stärken. Und wenn Rookion dazu beitragen kann, dass Spieler ihre eigenen Fehler besser verstehen, wieder mehr Freude am Lernen haben und sich Schritt für Schritt weiterentwickeln, dann wäre schon viel erreicht.

Berlin, im Oktober 2026