A Tribute to Chess in the Netherlands – ELG ehrt das holländische Schach im Max-Euwe-Centrum

Anlässlich des 50. Jahrestages der Flucht von Viktor Kortschnoi in den Westen, die er beim Abschluss eines Turniers in Amsterdam im Juli 1976 vollzog, würdigte die ELG im Max Euwe Centrum (MEC) in Amsterdam mehrere herausragende Vertreter des Schachs in den Niederlanden mit einem Spezial-Viktor. Der Viktor ist nach Viktor Kortschnoi benannt und zeichnet Leistungen zur Förderung des Schachsports aus. Das MEC ist Partner des ELG-Projektes chess4europe.

Zum Programm gehörte zunächst ein Vortrag von Dr. Michael Negele, selbst Lasker-Preisträger 2018 und Ehrenmitglied der ELG, über Laskers Aufenthalte in den Niederlanden.

Lasker war in den Niederlanden überaus populär und wurde oft von den niederländischen Schachfreunden als „unser“ Lasker vereinnahmt. Er hat auch schon früh prophezeit, dass Dr. Max Euwe den Weltmeistertitel erringen wird, was diesem dann 1935 auch in einem dramatischen Kampf gegen Dr. Alexander Aljechin gelungen ist. Folgerichtig ging daher ein Spezial-Viktor posthum an Dr. Max Euwe, den stellvertretend das Max Euwe Centrum, vertreten durch Jeroen van den Berg, entgegennahm.

Ein weiterer Spezial-Viktor ging posthum an den leider im Februar 2026 verstorbenen Jan Timman, der eng mit Euwe verbunden war und über viele Jahre hinweg nicht nur zur Weltspitze zählte, sondern als „Best of the West“ selbst um den WM-Titel gekämpft hat. Für ihn nahm stellvertretend sein guter Freund Hans Bohm den Spezial-Viktor entgegen und versprach, ihn an die Familie weiterzugeben.

Der dritte Spezial-Viktor ging an Gennadi Sosonko, der über aus enge Beziehungen zu Euwe, Timman und Viktor hatte und selbst nicht nur als Spieler, sondern auch als Autor und Trainer zur obersten Weltklasse zählt. Im Rahmen der Übergabe berichtete er, dass er 1976 auf Bitte seines Freundes Viktor Kortschnoi bei einem Dreier-Gespräch mit Euwe zugegen war, als Euwe -damals Präsident der FIDE- in seine Fluchtpläne eingeweiht wurde.

Damit nicht genug, konnte der frisch gebackene Preisträger im anschließenden Gespräch mit Dr. Michael Negele, der einer der bedeutendsten Schachhistoriker und ein ausgewiesener Lasker-Experte ist, noch Details über Umstände offenbaren, die bislang keinen Eingang in die Forschung gefunden haben.

Der vierte und letzte Spezial-Viktor ging an Karel van Delft für seine herausragenden Leistungen zur Förderung des Schachtraining. Sein Werk „Chess for Educators“ ist 2022 erschienen und Ausfluss seiner langjährigen Praxis und Erfolge. Es wird viele künftige Generationen prägen.

Natürlich ließen es sich alle Preisträger, Dr. Negele und der Unterzeichner nicht nehmen, für ein gemeinsames Fotos zu posieren. Die Räume des MEC boten dafür einen perfekten Rahmen.

Hans Bohm, Karel van Delft, Gennadi Sosonko, Jeroen van den Berg, Dr. Michael Negele und Thomas Weischede

Das anschließende Get-together wurde zum intensiven Austausch genutzt, um weitere gemeinsame Projekte voranzutreiben. Anlässe dafür gibt es reichlich. So gastiert z.B. am 01. November 2026 der Tartakower-Preisträger Levy Rozman -besser bekannt als Gotham Chess- in Amsterdam.

Abgerundet wurde das Event durch fast zeitgleich erschienene Publikationen, nämlich einem den Sammelband Sosonkos („The Essential Sosonko“), einem Buch über die Zeit Euwes als Weltmeister (von Erwin L’Ami und Paul van der Sterren) und dem letzten Buch von Jan Timman, das er zusammen mit Hans Bohm verfasst hat und den bezeichnenden Titel „Erinnerungen von zwei Schachfreunden“ trägt. Die ELG kann allen Schachfreunden diese Werke und einen Besuch des MEC nur wärmstens empfehlen.

Berlin, im August 2026

Thomas Weischede,

Vorstand ELG