Ein besonderes Anliegen für den Schachnachwuchs
Schach lebt von Menschen, die ihre Begeisterung weitergeben. Gerade dort, wo Kinder ihre ersten Erfahrungen am Brett sammeln, verbindet sich die Vermittlung des Spiels mit einer pädagogischen Aufgabe. Wer junge Schachfreunde bei Turnieren begleitet, kennt die Freude über einen gelungenen Angriff ebenso wie die Enttäuschung nach einer vermeidbaren Niederlage. Beides gehört zum Schach. Wie wir damit umgehen, gehört zu seiner Kultur.
Dieser Aufgabe widmet sich ein bemerkenswertes Projekt aus dem Saarland. Mit „Der beste Zug danach – Liam, Quint und die mentale Stärke im Schach“ hat Runa Schröder ein Buch und ein begleitendes Gesamtkonzept entwickelt, das Kinder vor, während und nach einem Turnierunterstützen soll. Herausgeber ist der gemeinnützige Verein Schwarz auf Weiss e.V. aus Lebach.
Die Autorin und Initiatorin kennt den Schachsport aus mehreren Perspektiven. Sie spielt selbst, ist Schiedsrichterin und begleitet ihren Sohn Liam bei dessen schachlicher Entwicklung. Aus diesen Erfahrungen entstand der Wunsch, sich eingehender mit dem zu beschäftigen, was nach dem letzten Zug geschieht.
Die Schachliteratur vermittelt einen reichen Schatz an Wissen über Eröffnungen, Strategie und Endspiele. Zur Entwicklung junger Spieler gehört zugleich die Fähigkeit, mit den eigenen Erwartungen und Gefühlen umzugehen. Ein Kind muss erst lernen, einen Fehler auf dem Brett von einem Urteil über sich selbst zu unterscheiden. Gerade in diesen Momenten können Eltern und Trainer viel bewirken.
Runa Schröder greift dieses Thema in einer Geschichte auf. Gemeinsam mit Liam begegnet der Frosch Quint den Gefühlen, die ein Schachturnier mit sich bringen kann: Aufregung, Enttäuschung, Selbstzweifeln und neuer Zuversicht. Der Leitgedanke, der beide begleitet, ist bewusst einfach gehalten:
„Erst atmen. Dann verstehen. Dann weiterziehen.“
Darin liegt eine Einladung, nach einem Rückschlag zunächst innezuhalten. Erst wenn die unmittelbare Enttäuschung Raum bekommen hat, kann der Blick wieder auf das Lernen und den nächsten Versuch gerichtet werden. Die zentrale Botschaft lautet: „Du bist mehr als dein Ergebnis.“
Ein Gesamtkonzept für Kinder, Eltern und Trainer
Zum Buch gehören deshalb auch praktische Impulse für Eltern und Trainer sowie Atem- und Reflexionsübungen. Sie regen dazu an, die eigene Begleitung zu hinterfragen: Wann ist eine Analyse hilfreich? Wann braucht ein Kind zunächst Ruhe? Welche Worte ermutigen es, selbst nach Lösungen zu suchen? So wird aus der Geschichte ein Anlass zum Gespräch zwischen den Generationen.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Zusammenspiel mit den ergänzenden Materialien. Zwanzig Affirmationskarten in einer Box mit Holzständer greifen stärkende Gedanken auf und machen sie im Alltagsichtbar. Lesezeichen, Silikonarmband und Quint-Antistressball dienen als kleine Begleiter und Erinnerungen. Partieformular und Stift gehören ebenso zum Konzept wie ein Turnierbeutel, in dem die Materialien zusammenfinden. Auf diese Weise sollen die Gedanken aus dem Buch auch beim nächsten Training oder Turnier wieder aufgegriffen werden können.
Anknüpfungspunkte für Schulen und Vereine
Für das Schulschach ergeben sich daraus interessante Anknüpfungspunkte. Eine gemeinsam gelesene Passage kann zum Ausgangspunkt werden, um über den Umgang mit Fehlern oder die Aufregung vor einer Partie zu sprechen. Die Übungen und Karten bieten Möglichkeiten, solche Gespräche regelmäßig in eine Schach-AG einzubinden. Auch Vereinsgruppen und Familien können die Materialien nutzen, um hilfreiche Routinen zu entwickeln. Die Freude am Schach zu bewahren und Kindern einen zugewandten Zugang zum Wettbewerb zu ermöglichen, ist dabei ein gemeinsames Anliegen.
Vier Perspektiven aus der Schachwelt
Dass das Thema auch erfahrene Persönlichkeiten der Schachwelt beschäftigt, zeigen die Beiträge zum Buch. Niclas Huschenbeth verfasste das Vorwort. Herbert Bastian und Harald Schneider-Zinner steuerten jeweils ein Nachwort bei. Georgios Souleidis ergänzt das Werk mit seinen „Zehn Regeln für kleine Schachhelden“. Damit kommen unterschiedliche Erfahrungen aus Spielpraxis, Training und Schachvermittlung zusammen.
Verwirklicht wurde das Projekt mit umfangreicher Eigenleistung und Unterstützung eines Sponsors. Sämtliche Überschüsse fließen in die Kinder- und Jugendarbeit von Schwarz auf Weiss e.V. Das Engagement reicht damit über die Veröffentlichung hinaus und soll weitere Arbeit für den Schachnachwuchs ermöglichen.
Wer Schach als Kultur- und Bildungsgut fördern möchte, findet hier einen Ansatz, der Aufmerksamkeit verdient. Zur Entwicklung eines jungen Menschen gehören Erfolgserlebnisse ebenso wie die Erfahrung, nach einem Rückschlag wieder Vertrauen zu gewinnen. Eine Schachkultur, die beides aufmerksam begleitet, kann Kindern viel mitgeben – am Brett und darüber hinaus.
Berlin, im September 2026
