Alljährlich veranstaltet chess4kids ein Schachsommercamp für deutsche und polnische Kinder und Jugendliche an der polnischen Ostsee. In diesem Jahr fand das Camp vom 29. Juli bis 07. August 2026 mit einem reichhaltigen und bunten Programm in Dźwirzyno statt.
Die ELG hat dieses Event im Geburtsland ihres Namensgebers sehr gerne im Rahmen des Projektes chess4europe unterstützt. Wie Sie dem nachfolgenden Bericht von Andi Zemmrich entnehmen können, hatten alle Teilnehmer wieder viel Spaß gemeinsam:

VI. ChessCamp: Schach verbindet – 10 Tage deutsch-polnische Begegnung
Vom 29. Juli bis zum 7. August 2026 wurde Dźwirzyno an der polnischen Ostseeküste erneut zum Treffpunkt für junge Schachspielerinnen und Schachspieler aus Polen und Deutschland. Beim VI. ChessCamp erlebten 51 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zehn abwechslungsreiche Tage voller Schach, Sport, Spiel und gemeinsamer Erlebnisse.
Das ChessCamp verbindet Schachsport und internationale Jugendbegegnung. Neben intensivem Training und spannenden Turnieren standen vor allem das gegenseitige Kennenlernen, gemeinsame Aktivitäten und das Überwinden sprachlicher und kultureller Grenzen im Mittelpunkt.
Schach von Rapid bis Blitz
Sportlich begann das Camp mit dem FIDE-Rapid-Turnier „Bounty Hunter“. Das besondere Format sorgte von Anfang an für viel Spaß: Auch einer unserer Betreuer setzte sich mit ans Brett – und wer es schaffte, diesen zu besiegen, durfte sich über einen Bounty-Schokoriegel freuen. So wurde aus einem normalen Turnier schnell eine unterhaltsame „Jagd“ auf den Betreuer.
Das Herzstück des Schachprogramms war anschließend das klassische Turnier über sieben Runden. Gespielt wurde mit einer Bedenkzeit von 60 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug. Jeden Morgen stand eine Partie auf dem Programm, bevor am Nachmittag wieder Zeit für Training, Freizeit und gemeinsame Aktivitäten blieb.
Nach sieben Runden sicherte sich Maximilian Alheit vom SV Dresden-Striesen e.V. mit sechs Punkten den Turniersieg. Ebenfalls sechs Punkte erreichte Filip Pawlicz vom KSz Gryf Szczecin und belegte aufgrund der Feinwertung den zweiten Platz. Dritter wurde Alexander Döding vom Rhedaer Schachverein von 1931 e. V. mit fünf Punkten. Die Gesamtwertung kann hier eingesehen werden.
Besonders erfreulich war auch das Ergebnis von Zosia Ragan vom KSz HETMAN Koszalin. Mit 4,5 Punkten erreichte sie als beste Teilnehmerin einen hervorragenden 12. Platz in der Gesamtwertung.
Zum Abschluss der Schachwettbewerbe folgte das FIDE-Blitzturnier. Bei neun Runden mit drei Minuten plus zwei Sekunden pro Zug blieb kaum Zeit zum Überlegen. Schnelle Entscheidungen, überraschende Wendungen und jede Menge Spannung machten das Blitzturnier zu einem passenden Abschluss der sportlichen Schachwoche.
Schach einmal anders
Neben den klassischen Turnierformaten konnten die Jugendlichen zahlreiche ungewöhnliche Schachvarianten kennenlernen. Duck Chess brachte eine zusätzliche Ente aufs Brett, bei Chess960 wurden die Figuren zufällig aus 960 möglichen Ausgangsstellungen aufgestellt.
Bei Hand & Brain waren Kommunikation und Teamarbeit gefragt, während King of the Hill für eine ganz andere Art des Schachspiels sorgte. Beim traditionellen Kloc / Tandemschach wiederum mussten polnische und deutsche Teilnehmer gemeinsam als Team agieren.


Gerade diese Varianten boten viel Raum für Begegnungen und spontanen Austausch. Wo manchmal die richtigen Worte fehlten, halfen Schachbrett, Teamgeist und eine gute Portion Humor.
Ein besonderes Highlight: Simultan gegen Kamil Plichta
Ein Höhepunkt des letzten Abends war die Simultanveranstaltung mit dem FIDE-Meister Kamil Plichta. Er spielte insgesamt 50 Partien an 38 Brettern gegen Teilnehmer des ChessCamp.


Fast vier Stunden lang wechselte Kamil von Brett zu Brett – ohne Pause. Einige Jugendliche warteten geduldig, bis ein Brett frei wurde, um anschließend selbst gegen den Meister anzutreten.
Für die Teilnehmer war die Simultanveranstaltung eine besondere Gelegenheit, sich direkt mit einem titulierten Spieler zu messen. Und obwohl das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt stand, gab es auch sportliche Überraschungen:
Einige Teilnehmer erkämpften sich ein Remis, drei Partien konnten sogar gewonnen werden. Anschließend wurde beim gemeinsamen Grillabend unter freiem Himmel weitergeredet, gelacht und gefeiert.
Sport, Strand und Freundschaften
Doch Schach war längst nicht alles. Zwischen den Partien blieb viel Zeit für Sport, Spiele, Integrationsaktivitäten und Erholung am Ostseestrand.
Gerade diese gemeinsamen Erlebnisse machten den besonderen Charakter des ChessCamp aus. Über zehn Tage wurde gemeinsam trainiert, gespielt, gegessen, gelacht und die Freizeit verbracht. So entstanden neue Freundschaften – und aus der polnischen und deutschen Gruppe wurde schnell eine gemeinsame Gemeinschaft.
Schach verbindet
Das ist die zentrale Idee des ChessCamp: Schach schafft Begegnungen. Eine gemeinsame Partie braucht keine perfekte gemeinsame Sprache. Sie schafft einen direkten Kontakt, bei dem Herkunft, Muttersprache und kulturelle Unterschiede für einen Moment in den Hintergrund treten.

Das VI. ChessCamp hat einmal mehr gezeigt, dass Schach nicht nur Sport und Spiel ist, sondern auch eine wunderbare Möglichkeit, Menschen über Grenzen hinweg zusammenzubringen.
Am letzten Tag wurde das klassische Turnier mit der Siegerehrung abgeschlossen. Nach zehn intensiven Tagen hieß es Abschied nehmen – mit vielen neuen Erfahrungen, Erinnerungen und Freundschaften im Gepäck.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen 51 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Polen und Deutschland sowie dem gesamten Trainer-, Betreuungs- und Organisationsteam.
Ebenso danken wir dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk sowie der Emanuel Lasker Gesellschaft, die die Durchführung des Projektes erst ermöglicht haben.
Das VI. ChessCamp ist vorbei – aber die nächste Partie wartet schon. Bis zum VII. ChessCamp!
Andi Zemmrich
ChessClub4Kids e.V.