Gedenken an der FAU zur „Depromotion“ von Emanuel Lasker und anderen jüdischen Alumni

Am 11. Juli 2026 fand die Promotionsfeier an der FAU statt, an der Emanuel Lasker am 31. Januar 1900 promoviert hat. Im Zuge des NS-Unrechtsregimes wurde ihm -wie vielen anderen jüdischen Mitbürgern auch- die deutsche Staatsbürgerschaft „entzogen“ und die Würde zum Tragen des Doktortitels „aberkannt“. Diese Unrechtsakte sind juristisch nichtig, so dass Lasker den Doktortitel nie verloren hat. Trotzdem gilt es, gerade in den heutigen Zeiten neuer rechtspopulistischer Tendenzen diesem Unrecht zu gedenken und sich davon in aller Deutlichkeit zu distanzieren. Jede Universität muss dafür einen eigenen Rahmen finden. Die FAU hat sich mit allen Fakultäten dazu entschlossen, dieses Gedenken in die Promotionsfeier 2026 zu integrieren. Lasker wurde dabei stellvertretend für über 160 bekannte Fälle beispielhaft ausgewählt und mit einem eigenen Filmbeitrag gewürdigt, den Sie hier finden.

Anschließend fand im Archiv der FAU noch eine feierliche und förmliche Aufnahme einer feststellenden Erklärung zur Promotionsakte statt, die bestätigt, dass Emanuel Lasker nie seinen Doktortitel verloren hat. Bei dieser Gelegenheit konnten die Teilnehmer auch das Original der Promotionsakte einsehen.

Die oben erwähnten Dokumente finden Sie nachfolgend:

Im Rahmen einer kleinen Stadtführung, die der Archivar der FAU Dr. Wachter höchstpersönlich durchführte, wurden noch die ehemaligen Wohnhäuser von Prof. Dr. Max Noether, dem Doktorvater von Lasker, und das Hotel besichtigt, in dem Lasker im Jahr 1900 abgestiegen war.

Dr. Wachter zeigt eines der ehemaligen Wohnhäuser von Prof. Dr. Max Noether
von links nach rechts:
Prof. Dr. Peter Ullrich, Rolf Beran, Prof. Dr. Ulrich Sieg, Dr. Clemens Wachter, Blandina Mangelkramer, Tatiana Flores, Elias Pfann, Thomas Weischede, Laura Schalkhäuser, Prof. Dr. Werner Rott, Frau Prof. Dr. Haverkamp-Rott, Frau Rosenthal sowie Prof. Dr. Joachim Rosenthal

Das Begleitheft zur Promotionsfeier finden Sie nachfolgend.

Es war bewegend, mit welch klugen und angemessenen Worten der Präsident der FAU, Prof. Dr. Hornegger, unter Hinweis auf die grundgesetzlich geschützte Wissenschaftsfreiheit daran erinnerte, welchen Werten sich die FAU gegenüber ihren eigenen Alumni verpflichtet fühlt.

Ein zusätzlicher Dank gilt Frau Blandina Mangelkramer von der FAU, die sich in intensiver Detailarbeit um alles gekümmert hat und es sich natürlich nicht nehmen ließ, an der Führung und dem Festakt im Archiv der FAU persönlich teilzunehmen.

Die ELG ist besonders stolz darauf, dass es gelungen ist, dieses Gedenken im eigenen Jubiläumsjahr umzusetzen. Für Lasker war seine Promotion im Jahr 1900 ein ganz besonders erfolgreiches Jahr. Er hat sich mit seinen letzten Turniererfolgen vor der Jahrhundertwende als unangefochtener Weltmeister im Schach gezeigt, erlangte mit einer ausgezeichneten Arbeit (magna cum laude) bei dem renommierten Prof. Dr. Max Noether die Doktorwürde und gewann im Sommer das großartige Turnier in Paris zur dortigen Weltausstellung. Es bedarf keiner großen Empathie sich vorstellen zu können, wie sehr die demütigenden NS-Unrechtsakte, die für menschenverachtende Ideologien und persönliche Bereicherungen genutzt werden sollten und wurden, unsere damaligen jüdischen Mitbürger verletzt und getroffen haben müssen. Leider sind diese Zeiten nicht überwunden, weil es populistische Kräfte gibt, die trotz des Wissens um diese historischen Fakten mit gleichen oder ähnlichen Motiven agieren. Umso wichtiger ist es, derartigen Entwicklungen mit solchen Aktionen zu begegnen. Dafür sei der FAU und allen dortigen Funktionsträgern von Herzen gedankt. Dieses Einstehen für die Freiheit der Wissenschaft und die Menschenwürde aller Studenten und Alumni verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch Unterstützung. Die ELG hat sich daher entschieden, dem Universitätsbund beizutreten, der auch die Studenten und Doktoranten an der FAU unterstützt. Den Link dazu finden Sie hier.

Die ELG ist froh, auf diese Weise künftig Studenten der FAU unterstützen zu können, die quasi als Kommilitonen von Lasker und seinen Schicksalsgenossen dessen Bestreben nach neuen Erkenntnissen in der Wissenschaft zum Wohle aller fortführen können.

Berlin, im Juli 2026

Thomas Weischede,

Vorstand ELG