Der Schachspieler
  als Komponist

 
 
 
 

Der Schachspieler als Komponist, der Musiker als Spieler

Ausstellung zu Philidor im Foyer des E.T.A.-Hoffmann-Theaters

von Jürgen Gräßer

„Philidor? Nie gehört!“ Zumindest den Bambergern dürfte dieser Satz nicht mehr über die Lippen kommen. Denn das Erbe des genialen Schachspielers (und Komponisten: Philidor ist tatsächlich zu hören) wird im E.T.A.-Hoffmann-Theater ausgiebig gefeiert. Eigentlich schon seit Februar, als des Intendanten Rainer Lewandowskis „Letzte Partie“ Premiere hatte.

Noch bis einschließlich Mittwochvormittag sind im Theaterfoyer Fotos aus dieser Inszenierung und das bislang unveröffentlichte Textmanuskript zu sehen. Vor allem aber und drum herum erlauben seltene, häufig von privaten Sammlern zu Verfügung gestellte Exponate, Einblicke in die faszinierende Welt des Schachs.

So hat sich zum Hauspatron Hoffmann, der auf dem Holzsockel in der rechten Ecke thront, zur linken in einer Vitrine eine Terrakotta-Büste von 1783 gesellt, die Philidor „wahrscheinlich am nächsten kommt“, wie Susanna Poldauf am Freitag vor Mitgliedern des Bamberger Schachclubs und der Emanuel-Lasker-Gesellschaft erläuterte. Poldauf hat mit einer Monographie (erschienen bei Exzelsior, Berlin) viel für die Philidor-Renaissance getan. Auf einzigartige Weise verbindet der 1726 bei Paris geborene Francois-André Danican Philidor Musik und Schach. Beides Künste, in denen Bamberg Renommee hat.

„Schach hat es verdient, hier eine Heimat zu finden“, meinte denn auch Großmeister Lothar Schmid, aus dessen Sammlung einige Ausstellungstücke stammen. Weiter hat auch die Staatsbibliothek dazu beigetragen, etwa mit der Partitur von Philidors „Blaise, der Schuhflicker“. Sogar das Titelblatt der Partitur von Philidors komischen Oper „Tom Jones“, ist zu sehen, die im Rahmen der Tage für Alte Musik in einer Inszenierung von Tihomir Glowatzky im großen Haus erklingt.

Seine „Analyse des Schachspiels“ hatte Philidor 1748 in Aachen geschrieben. Auch sie ist in mehreren Fassungen und Übersetzungen zu sehen. Darin stellte er das Schachspiel auf eine neue wissenschaftliche Grundlage. Ergänzt wird die Ausstellung um zahlreiche Schachfiguren-Sätze aus dem 18. Jahrhundert. Darunter ein Reiseschachspiel und Figuren aus dem Pariser Café Régence, wo Philidor Furore machte. Sein überragendes Talent als Schachspieler stellte Philidor auch in den Kaffeehäusern Londons unter Beweis. Ein Stich zeigt ihm beim Blindsimultanspiel in Anwesenheit des türkischen Botschafters.

Und da sich der Sänger Tom Jones nach dem Titelhelden aus Henry Fieldings Roman, auf dem Philidors Oper basiert, benannte, darf auch eine Langspielplatte des „Tigers“ nicht fehlen.

(erschienen in Fränkischer Tag Bamberg am 14. Juni 2004)

 

aktualisiert: 11. Juli 2004