Am letzten Wochenende feierte der Berliner Schachverband im Willy Brandt Haus in Berlin sein 125-jähriges Jubiläum. Das Ereignis fiel in die Bundesliga-Endrunde, die einmal mehr ein großartiges Schachfest bot. Ein umfassender Bericht findet sich auf der Homepage des BSV. Zu den zahlreichen Gratulanten gehörte auch die ELG, die mit Grußwörtern quasi doppelt vertreten war, weil unser geschätzter Vorstandskollege Dr. Matthias Kribben von 2004 bis 2010 selbst Präsident des Berliner Schachverbandes war und aus dieser Funktion heraus gesondert über die spannenden Aufbruchsjahre kurz nach Gründung der ELG berichtete, die damals zusammen mit dem Berliner Schachverband, dem Excelsior-Verlag, der Zeitschrift Schach und einer Dauerausstellung viele Events am Leuschnerdamm gestaltet hat. All dies wäre ohne unser ehemaliges Vorstandsmitglied Stefan Hansen nicht möglich gewesen, dem deswegen auch großer Dank ausgesprochen wurde.

In dem Grußwort der ELG wurde betont, dass es nicht nur eine geografische Nähe zum Berliner Schachverband gibt, sondern auch historische Bezüge, die teilweise sogar weit zurückreichen. Zunächst fällt das Gründungsjahr der ELG mit dem 100-jährigen Jubiläum des BSV zusammen, so dass am Wochenende ein Doppeljubiläum gefeiert werden konnte.
Als der BSV – damals noch unter dem Namen Allgemeiner Schachbund zu Berlin – am 26. April 1901 gegründet wurde, war Emanuel Lasker unangefochtener Weltmeister, der gerade das große Turnier von Paris im Jahr 1900 zur damaligen Weltausstellung mit großem Vorsprung gewonnen hatte. Diesen Titel sollte er noch weitere 20 Jahre innehaben. Welcher Schachverband kann schon für sich reklamieren, quasi der Heimverband eines Weltmeisters – nach dazu für eine solche Zeitspanne – zu sein.
Der Name Lasker ist aber noch auf andere Art und Weise mit dem BSV verbunden, nämlich über Eduard Lasker, und zwar nicht dem Schachspieler dieses Namens, der sogar mit Emanuel Lasker verwandt war, sondern dem Politiker, der zusammen mit Johannes Miquel am 20. Dezember 1873 – also kurz nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 – das sog. Lex Miquel-Lasker auf den Weg brachte. Dieses Gesetz verlieh dem Deutschen Reich die Kompetenz, das Zivilrecht einheitlich zu regeln, was mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) vom 18. August 1896 umgesetzt wurde. Darin wurde auch das Vereinsrecht geregelt, was dann nach dem Inkrafttreten des BGB am 01. Januar 1900 zu einer Flut von Vereinsgründungen führte, die gern als „Vereinsfieber“ bezeichnet wird. Dieses Fieber erfasste auch mehrere Schachvereine in Berlin, die sich am 26. April 1901 zum Vorläufer des BSV zusammenschlossen. Den heutigen Namen erhielt der BSV erst am 06. April 1922. Zuvor erfolgte am 25. März 1919 der Beitritt zum Deutschen Schachbund (DSB), der 1877 noch nach altem Recht gegründet worden war.
Das Datum 26. April ist heute vor allem wegen der Tschernobyl-Katastrophe vor 40 Jahren bekannt. Seit dem Jubiläums-Wochenende steht es auch für den Fabelweltrekord im Marathon von London, weil erstmals – und dies gleich doppelt – die Marke von zwei Stunden unterboten wurde. Eine weitere Koinzidenz bestand darin, dass sowohl der Vorsitzende der ELG, Thomas Weischede, also auch der Präsident des Berliner Schachverbandes, Paul Meyer-Dunker, am 26. April geboren wurden. Bei so vielen Anlässen zum selben Datum war klar, dass gemeinsam gefeiert wurde.

Paul Meyer-Dunker hatte zuvor angekündigt, dass er nicht erneut zur Wahl des Präsidenten des BSV antritt. Die ELG ließ es sich daher nicht nehmen, ihm herzlich für die gute Zusammenarbeit zu danken, die es vorher in ähnlicher Form aber auch schon mit den Präsidenten Alfred Seppelt, Dr. Matthias Kribben und Carsten Schmidt gegeben hat. In besonderer Erinnerung unter den zahlreichen Highlights wird sicherlich das Simultan zum Gedenken an die Geiseln der Hamas am 07. Oktober 2024 mit den Polgar-Schwestern Judit und Sofia bleiben. Auch zu gemeinsamer Basisarbeit in Vereinen, sozialen Brennpunkten (Schach im Kiez) oder sogar in der JVA Tegel (chess-in-prison) waren beide stets bereit. Die ELG hat keine Zweifel, dass diese gute Zusammenarbeit unter dem neuen Präsidenten Kevin Högy genauso gut fortgesetzt wird und auch das nächste runde Jubiläum in 25 Jahren wieder ein festliches Doppelereignis sein wird.
Berlin, im Mai 2026
Thomas Weischede,
Vorstand ELG